Was nun, Herr Trump?

David Wehner, Senior Portfoliomanager bei der Do Investment AG (li.) und Thorsten Schrieber, Vertriebsvorstand bei DJE (re.) / Fotos: © Do Investment AG / DJE

America first, lautet(e) die Devise von Präsident Donald Trump. Nun haben die USA mit einer hohen Zahl an Coronavirus-Infizierten und -Todesfällen zu kämpfen. Trump gerät derweil wegen seiner Aussagen ins Kreuzfeuer von vielen Kritikern. Wie geht es weiter mit der US-Wirtschaft? Was ist mit US-Aktien? finanzwelt fragte exklusiv bei DJE und der Do Investment AG nach. Zum einen Thorsten Schrieber, Vertriebsvorstand bei DJE und zum anderen David Wehner, Senior Portfoliomanager bei der Do Investment AG.

finanzwelt: Mit Blick auf den gegenwärtigen Zustand der US-Wirtschaft, welche Einordnung würden Sie treffen? Haben wir es bereits mit einer Rezession zu tun?

Schrieber: So wie sich die aktuelle Ausprägung der Corona-Krise abzeichnet, werden wir es wohl global mit rezessiven Tendenzen zu tun haben. Höhe und Wucht hängen vom Verlauf der Krise ab.

Bereits vor COVID-19 war erkennbar, dass die Verschuldung in den USA ein Problem darstellt. Hierbei ist zu unterscheiden zwischen Verschuldung von Konsumenten und Unternehmen. Problematisch ist aus unserer Sicht primär die Verschuldung von Unternehmen.

Die Höhe der Verschuldung der Konsumenten ist aktuell niedriger als zu Beginn der letzten Finanzkrise. Die US-Häuserpreise erscheinen zumindest vorerst stabil.  Konsumeinschränkungen, die überschuldete Haushalte 2007/09 vornehmen mussten, sind derzeit aus diesem Grunde nicht zu befürchten. Möglich sind dagegen Konsumausfälle aufgrund einer plötzlich entstehenden Massenarbeitslosigkeit. Wir können derzeit noch nicht einschätzen, mit welcher Wucht uns eine Rezession in den USA treffen wird, aber die Vorzeichen dafür sind erkennbar. Der fiskalpolitische Maßnahmenkatalog wird eine wesentliche Stellschraube dieser Entwicklung sein.

Wehner: Die US-Wirtschaft wird aufgrund des Corona-Lockdowns in eine Rezession rutschen. Die wirtschaftlichen Indikatoren zeigen bisweilen keine Rezession an, allerdings sind diese nachlaufend und spiegeln derzeit nicht die wirtschaftliche Realität wider.

finanzwelt: Die USA wollen mittels „Helikoptergeld“ (Bargeld an Haushalte und Unternehmen verteilen) die Auswirkungen der Krise dämpfen. Ist das erfolgversprechend?

Schrieber: Helikoptergeld, wie es Milton Friedman schon 1969 beschrieben hat, klingt natürlich erst einmal sehr verlockend und ist in den USA vor dem Hintergrund fehlender Sozialsysteme zu sehen. Aber im Gegensatz zu „QE“ (Quantitative Easing), wo die Geldmengen-Ausweitung durch Ankauf von Anleihen durch die Zentralbank erfolgt, haben wir es bei Helikoptergeld mit neu geschaffenem Geld und möglicher Nachfrage (bei eingeschränktem Angebot in der Krise) zu tun. Das könnte durchaus inflationär wirken. Das dadurch die Verschuldungssituation der USA noch einmal auf ein neues Niveau katapultiert wird, steht außer Frage. Und welchen Wert messen wir geschenktem Geld dann noch bei?

Wehner: Die USA haben in der vergangenen Woche über 3 Millionen neue Arbeitslose gemeldet – und wir stehen wahrscheinlich erst am Anfang der Lockdown-Phase. Zahlreiche Haushalte in den USA haben nahezu keine Ersparnisse und sind auf wöchentliche oder monatliche Lohnzahlungen angewiesen. Das Helikoptergeld würde insbesondere diesen helfen, weiterhin ihre Rechnungen bezahlen bzw. ihre Konsumausgaben für Lebensmittel oder Güter des täglichen Bedarfs decken zu können. Diese Maßnahme hilft, die Auswirkungen der Krise temporär zu dämpfen.

Wovon die künftige Entwicklung der US-Wirtschaft abhängen wird, erfahren Sie auf Seite 2