Warum reden alle plötzlich über Osmium?

Ingo Wolf / Foto: © Osmium

Zwei Jahrhunderte lang interessierte sich niemand für Osmium. Jetzt plötzlich scheint es zu einem neuen Geheimtipp und Mythos zu werden. Was sind die Gründe für die hohe Nachfrage Wir sprechen mit Ingo Wolf, dem Direktor des Deutschen Osmium-Institutes.

finanzwelt: Herr Wolf, bitte erklären Sie unseren Lesern in einfachen Worten das Edelmetall Osmium.
Ingo Wolf: Osmium ist das unfälschbare Edelmetall. Es steht in der Gruppe der Refraktärmetalle, also der hochschmelzenden Metalle, bei den Nebengruppenelementen und ist das schwerste Element der Welt. Und ich möchte hinzufügen: Auch das schönste und spektakulärste Edelmetall. Deshalb ist es in der Schmuckwelt moderner Designer immer gefragter.

finanzwelt: Hinter vorgehaltener Hand sprechen die Menschen seit einiger Zeit über Osmium. Wieso tun sie das und warum erst jetzt?
Wolf: Die Menschen sprechen offen darüber, denn um Osmium ranken sich zwar Mythen, aber keine Geheimnisse. Es gibt aber sicherlich eine Menge Raum für spannende Geschichten. Denn Osmium war zum Beispiel Teil einer großangelegten Geheimdienstaktion der USA. Und es ist der Pate zur Namensgebung der Firma Osram. Osmium galt bis zum Jahr 2013 als giftig. Deshalb konnte man es nicht kaufen, nicht handeln und auch nicht außerhalb der Institute und Universitäten sinnvoll einsetzen. Es bildet in der Rohform, die als Osmium-Schwamm bezeichnet wird, ein Oxid, welches den Augen und der Schleimhaut schadet. Also wurde auch nicht darüber berichtet. Mit der Einführung der Kristallisation ist es nun möglich, die Kristallstruktur ähnlich der Transition von Kohlenstoff zu Diamanten, zu verändern. Das Ergebnis ist kristallines Osmium. Damit wurde die Tür aufgetan, um das letzte Edelmetall verfügbar zu machen.

finanzwelt: Sind die Menschen nicht argwöhnisch, wenn sie von einem neuen Edelmetall hören?
Wolf: Ja, natürlich gehört ein gehöriges Maß an Information dazu, wenn ein Edelmetall in den Markt eingeführt wird. Jeder Kunde hat viele Fragen und kann im Netz nicht überall Antworten erhalten. Allerdings ist genau, um diese Lücke zu füllen, die Struktur der weltweiten Osmium-Institute geschaffen worden. In den Instituten wird Information aufbereitet, es werden Bücher geschrieben, Internetseiten aufgebaut und natürlich wird jedes Stück Osmium auf dem Weltmarkt in einem Osmium-Institut zertifiziert und in den Verkehr gebracht. Die Osmium-Institute stehen für die Echtheit des Osmiums ein.

finanzwelt: Was sind denn die originären Aufgaben der Osmium-Institute?
Wolf: Neben der herkömmlichen Pressearbeit und Zertifizierung kümmern sich die Osmium-Institute um Studien und wissenschaftliche Arbeit rund um Osmium. Aber die Nachfrage nach Beratungen steigt. Die ersten Nachfrager waren private Osmium-Kunden, die verstehen wollten, was an kristallinem Osmium besonders ist, gegenüber Rohosmium. Nach den ersten Jahren sind allerdings die institutionellen Partner hellhörig geworden. Heute fragen auch Privatbanken, HNWI und Family-Offices sowie Staaten für Beimischungen ihrer Staatsreserven nach Details zu Osmium.

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