“Virtuelle Veranstaltungen sind eine große Chance”

Jörg Röckinghausen, Vorstand DEFINET AG / Foto: © DEFINET

Im Jahr 2020 ist alles etwas anders: Aufgrund der Corona-Pandemie und den Maßnahmen zu deren Bekämpfung ist so manches, was bislang gewöhnlich und selbstverständlich war, nicht möglich. Das betrifft auch Vertriebsveranstaltungen. Die DEFINET AG hat eine Möglichkeit gefunden, diese dennoch stattfinden zu lassen – nämlich in virtueller Form. Wie dies funktioniert, welche Herausforderungen bestehen und worin sich die virtuellen von Präsenzveranstaltungen unterscheiden, darüber sprachen wir mit DEFINET-Vorstand Jörg Röckinghausen.

finanzwelt: Wie darf sich ein Vermittler den Ablauf einer virtuellen Veranstaltung vorstellen, als eine 1:1-Abbildung einer Präsenz-Veranstaltung?

Jörg Röckinghausen:  Ja und nein. Unser Konzept beinhaltet eigentlich alle Elemente einer Präsenzveranstaltung. Zu bestimmten Zeiten finden Workshops, Experten-Interviews, Podiumsdiskussionen statt, zu anderen Zeiten wiederum Produktpräsentationen oder Vorträge zu Fachthemen. Alles live und mit der Möglichkeit, im Anschluss Fragen zu stellen. Besucher können anhand des Programms für sich entscheiden, wann sie in welche Veranstaltung gehen. Es fehlen natürlich die zufälligen Begegnungen unter Bekannten, der Small Talk in der Kaffeepause und das Fachsimpeln unter Kollegen am Ende einer Vorstellung.

finanzwelt: Ein wichtiger Punkt bei Präsenz-Vertriebsveranstaltungen ist, dass für die Teilnehmer die Möglichkeiten, den Referenten Fragen zu stellen, sei es im Podium oder anschließend im persönlichen Gespräch. Solche Möglichkeiten gibt es auch bei virtuellen Veranstaltungen, bspw. über Chat. Glauben Sie, dass sich dadurch Veränderungen für Fragestellungen ergeben?

Röckinghausen: Die Fragen werden weniger mit langen Vorreden ausgekleidet, sondern kürzer und prägnanter gestellt. Das zwingt zur Präzision. Fast entscheidender ist, dass sich die Besucher im Internet in einer gewissen Anonymität befinden. Es drehen sich nicht hundert Leute um, wenn jemand aus dem Publikum eine Frage stellt. Das heißt, weniger selbstbewussten Besucher fällt es leichter, ihre Fragen loszuwerden. Und das ist gut, jede Frage hilft auch den anderen Teilnehmern.

finanzwelt: Wie groß ist der technische und logistische Aufwand, um eine Veranstaltung mittlerer Größe durchzuführen?

Röckinghausen: Zunächst ist es eine Herausforderung auch für die Teilnehmer. Vor allem, wenn die einzelnen Element hintereinander geschaltet wären. Einige Stunden am Stück konzentriert vor dem Bildschirm zu sitzen wäre nicht besucherfreundlich. Bei unserem Format hingegen können die Besucher von einem Raum in den anderen wechseln, sich einem anderen Thema zuwenden, wenn das erste vielleicht doch nicht so interessiert. Deshalb ist auch der logistische Aufwand nicht zu unterschätzen. Um die gleichen Emotionen zu wecken müssen Referenten und Experten auf hochprofessionelle Weise inhaltlich mehr Lebendigkeit und Spannung erzeugen als bei einer Präsenzveranstaltung. Und deshalb muss auch alles von der technischen Seite her sofort und reibungslos funktionieren, vor allem bei der Interaktion mit den Besuchern. Bei einer Präsenzveranstaltung dagegen gibt es immer noch Spielraum für Improvisationen.

Wie es in der Nach-Corona-Zeit mit Präsenzveranstaltungen weiter gehen könnte, lesen Sie auf Seite 2