Vier Mittel gegen das Sterben der Innenstädte

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Das Zentrum der Städte ist heute weniger Wohn- als vielmehr Geschäftsviertel. Die Folge: Nach Geschäftsschluss herrscht dort oft gähnende Leere. Jones Lang LaSalle hat am Beispiel Hamburg vier Faktoren identifiziert, wie die Innenstädte wieder als Wohngebiet attraktiver werden können.

Vor der Erfindung der modernen Verkehrsmittel waren die Stadtkerne dicht besiedelt. Durch Auto und öffentliche Verkehrsmittel wurde es aber zunehmend attraktiv, am Rande der Stadt zu leben, während Büros und Geschäfte im Stadtkern verblieben. Entsprechend hat sich die Bevölkerungszahl der Innenstädte deutlich gewandelt. „Um 1900 haben noch 100.000 Menschen in der City gewohnt, 1980 waren es nur noch 5.000“, erläutert Richard Winter, Niederlassungsleiter von JLL Hamburg, am Beispiel von Hamburg, das sich in den vergangenen 100 Jahren viel Mühe gegeben habe, die Wohnbevölkerung aus der Innenstadt zu vertreiben. Diese Entwicklung habe auch negative Folgen. „Das größte Problem Hamburgs ist, dass die Innenstadt nach 20:00 h wie ausgestorben ist“, so Winter weiter. Um wieder mehr Leben in die Innenstadt zu bekommen, sie daher Mischnutzung das Gebot der Stunde.

Hamburg will wieder die Bevölkerung in die Innenstadt locken

„Wenn in der Hamburger City wieder 30.000 Menschen wohnen, sind wir auf dem richtigen Weg“, so Richard Winter. Mit einem im Jahr 2008 neugegründeten Stadtteil ergreife die Hansestadt bereits die richtigen Maßnahmen. „Mit der HafenCity wird die Fläche der Hamburger City um 40 Prozent erweitert. Rund 15.000 Menschen werden dort nach Fertigstellung entlang der Wasserkante wohnen“, so Winter weiter. So werden in dem größten innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekt Europas derzeit 7.500 neue Wohnungen sowie 45.000 neue Arbeitsplätze, davon 35.000 Büroarbeitsplätze. Dennoch sei die Wiederbelebung der Innenstadt damit alles andere als ein Selbstläufer, wie Winter ergänzt. „Die große Herausforderung in der Innenstadt ist, das Einzelhandelsthema neu zu definieren. Durch das Überseequartier werden die Mönckebergstraße und die Spitalerstraße große Konkurrenz erhalten.“ So entsteht auf einer Fläche so groß wie zehn Fußballfelder im Westfield Hamburg-Überseequartier in der HafenCity neben 650 Wohnungen, 4.000 Büroarbeitsplätze, drei Hotels, ein Kino und Restaurants auch Platz für ca. 200 Geschäfte. Es soll sich dabei weniger um ein klassisches Einkaufszentrum als vielmehr um eine große Erlebniswelt handeln. Die Eröffnung ist für die zweite Jahreshälfte 2022 geplant.

Ob das Überseequartier eine Konkurrenz für die Innenstadt ist und wie die Innenstädte wieder mehr Bewohner anlocken können, lesen Sie auf Seite 2