Vertrauen durch Technik?

Martina Bahl CFA, geschäftsführende Gesellschafterin Bahl Consult GmbH / Foto: © Bahl Consult

Wie passen Geld, Technik und Vertrauen zusammen? Vertrauen wir als Anleger dem Finanzmarkt und seinen Akteuren mehr, wenn mehr Technologie im Spiel ist? Oder wollen wir doch lieber das Persönliche, Menschliche in der Beratung?

Dieser interessanten Frage ging das CFA Institute, globaler Berufsverband für Investmentmanager und professionelle Investoren, in seiner Studienreihe „Future of Finance“ nach. Weltweit wurden dabei tausende Finanz-Fachleute unter anderem dazu befragt, wie die Investmentfirma der Zukunft aussehen könnte. Von ihnen gaben 68 % an, dass die vermehrte Verwendung von Technologie in der Vermögensanlage ihr Vertrauen in Asset Manager erhöhe. Sie sehen Automatisierung, Algorithmen und künstliche Intelligenz als positiven Beitrag, der zudem nicht nur mehr Vertrauen schafft, sondern sich auch positiv auf der Kostenseite zugunsten des Endkunden auswirken dürfte. Schließlich müssen Roboter und Computer am Ende des Monats nicht bezahlt werden, benötigen weder Kranken- noch Rentenversicherung, keine Ruhezeiten, keinen Urlaub, sind zu höheren Leistungen fähig, wenn es um komplexe Berechnungen und Zusammenhänge geht, und auf ein undefinierbares Bauchgefühl verlassen sie sich im Gegensatz zu Portfoliomanagern aus Fleisch und Blut auch nicht. Gehört den Robotern also unsere Investmentzukunft?

Wenn es um Automatisierung, Roboter und künstliche Intelligenz geht, sind viele von uns innerlich trotzdem gespalten. Auf der einen Seite denken wir an Schreckensszenarien wie aus dem Film „I, Robot“, in dem Will Smith die Menschheit auf spektakuläre Weise vor der Übernahme durch Roboter retten muss. Politiker denken mit Sorge an menschenleere Fabrikhallen, die keine Seltenheit mehr sind, und in denen Maschinen automatisiert sämtliche Arbeitsschritte übernehmen. Auf der anderen Seite hat uns der technologische Fortschritt wunderbar viele Bequemlichkeiten beschert. Das Smart Home zieht in immer mehr Küchen, Wohnzimmer und Heizungskeller ein, Thermomix & Co. kümmern sich um unser Essen, während wir bequem vom Smartphone aus unseren ETF-Sparplan verwalten, mit Freunden und Familie am anderen Ende der Welt chatten, den Verein organisieren und online schnell noch die Badehose für den ebenfalls online gebuchten Urlaub bestellen. In der Medizin und Diagnostik, im Einzelhandel, in der Logistik, überall haben Technologie und Automatisierung wahre Quantensprünge in Effizienz und dessen, was überhaupt möglich ist, gebracht. In der Finanzindustrie ist es nicht viel anders. Doch wie steht es um die Rolle des Menschen in einer zunehmend technologisierten Welt?

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