Und sie rechnet sich doch

Lenard von Stockhausen im Interview mit Thomas Heß, Rainer Gebhart und Ansgar Eckert (v. l. n. r.)

Riester rechnet sich nicht. Wer das sagt, rechnet meist nicht richtig. Warum die Riester-Rente nicht nur besser ist als ihr Ruf, sondern der Rendite-Bringer schlechthin, erklären im finanzwelt-Interview Rainer Gebhart, Vertriebsvorstand der WWK, Leiter des Partnervertriebs Thomas Heß, und Ansgar Eckert, Bereichsleiter Marketing.

finanzwelt: Riester rechnet sich nicht. Jedenfalls sagen das diejenigen, die scheinbar nicht richtig rechnen können. Ist das wirklich so?
Thomas Heß: Wir und unsere Kunden kommen zu einem ganz anderen Ergebnis. Warum? Wenn wir z. B. von einer typischen Teilzeitfrau ausgehen: 30 Jahre alt, ein Kind, Jahreseinkommen 21.600 Euro. Sie spart im Riestervertrag 864 Euro ein. Aber durch die Zulage, die sie bekommt, muss sie von den 864 Euro nur 389 Euro selber tragen. Das ist eine Förderquote von 55 %. Da muss man kein Mathematiker sein, um festzustellen, dass allein durch die Förderquote eine hohe Rendite erzielt wird. Insofern ist es uns völlig schleierhaft, wie jemand zu der Annahme kommt, Riester lohne sich nicht.
Ansgar Eckert: Die Bandbreite der Förderquoten geht von knapp 30 bis ca. 90 %. Und ich glaube, wir sind uns da alle einig, dass 30 % auch schon sehr viel Rendite bringt. Voraussetzung ist nur, dass der Förderantrag ordnungsgemäß verbucht wurde. Allein mit der Förderung können wir schon zu dem Ergebnis kommen, dass die Aussage „Riester rechnet sich nicht“ überhaupt nicht stimmt.

finanzwelt: Die Hauptkritik an bisherigen Riester-Produkten geht in Richtung mangelnder Rendite. Woran liegt das?
Rainer Gebhart: Meine Vorredner haben ja eben aufgezeigt, dass sich Riester schon allein durch die Förderquote rechnet. Und zusätzlich ist es natürlich entscheidend, für welches Riester-Produkt und damit für welches Garantiemodell ich mich entscheide. Es gibt auch bei fondsgebundenen Riester-Renten Tarife am Markt, die nur geringe Investitionsquoten in Aktien ermöglichen. Die  Renditeaussichten sind damit natürlich sehr überschaubar. Die Kernfrage  ist also, wie ich eine Garantie abbilden kann, ohne Performance einzubüßen.

finanzwelt: Also Garantie frisst Rendite. Wie handhabt die WWK das Problem denn?
Gebhart: Unser Garantiemechanismus WWK IntelliProtect ® basiert auf einem so genannten iCPPI-Modell, einer äußerst intelligenten Art der Garantieerzeugung. Durch die börsentägliche Allokation jedes einzelnen Kundenvertrags zwischen Sicherungsvermögen und frei wählbaren Aktienfonds haben unsere Riester-Sparer in der Ansparphase sehr hohe Renditechancen bei gleichzeitiger Gewährung einer 100 % Bruttobeitragsgarantie zum Ende der Beitragszahlungsdauer. Durch diese verwaltungsaufwändige Konstruktion ist unsere Riester-Rente äußerst performancestark und erreicht nachweislich sehr hohe Investitionsquoten in Aktienfonds. Diese können täglich aktuell und völlig transparent in unserem Vertriebsinformationsportal eingesehen werden. Ab Herbst dieses Jahres bieten wir diesen wertvollen Service mit unserem neuen Kundeninformationsportal auch für unsere Kunden.

finanzwelt: Die Rendite stimmt also. Aber ein weiterer Punkt der Riester-Kritiker heißt Kosten. Wie sieht es damit aus?
Eckert: Eine reine Betrachtung von Kostengesichtspunkten ist nicht zielführend. Entscheidend ist die Rendite. Leistungsstarke Produkte beteiligen die Kunden bestmöglich am Produktivvermögen von Unternehmen und damit an deren Wachstumschancen. Und wenn es um die Kosten geht, ist eine sehr differenzierte Betrachtung notwendig. Geht man alleine nach Zahlen, bspw. aus den Produktinformationsblättern der Produktinformationsstelle Altersvorsorge, führt diese ohne Expertenwissen zu Fehlinterpretationen.

finanzwelt: Politiker und Verbraucherschützer fordern ein attraktiveres standardisiertes Riester-Angebot. Aber der Dialog kommt kaum zustande? Woran liegt das?
Gebhart: Ich glaube, dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen herrschen in der  Versicherungswirtschaft unterschiedliche Ansichten zu Riester. Das sieht man ja schon bei den Garantien. Wir sprechen uns für den Erhalt einer 100 % Beitragsgarantie aus, weil wir glauben, dass es dem hohen Sicherheitsbedürfnis, insbesondere des deutschen Sparers, entspricht. Andere Anbieter bringen neuerdings auch Garantieniveaus unter 100 % ins Spiel, also bspw. nur 80 %. Der eigentliche Grund dafür ist aber weniger im zusätzlichen Nutzen für die Kunden zu sehen, sondern schlicht der Tatsache geschuldet, dass es vielen Anbietern im Niedrigzinsumfeld nicht mehr gelingt, eine für Kunden und Anbieter wirtschaftlich sinnvolle Garantie zu erzeugen.

finanzwelt: Kornelia Hagen vom DIW Berlin empört sich darüber, dass ausgerechnet jene Branche das Produkt anbieten soll, die für die Defizite der Riester-Rente mit verantwortlich sei und sich wiederholt gegen ein Nonprofit-Produkt ausgesprochen habe. Wie sehen Sie das?
Eckert: Das liegt zum Teil am Image der Versicherungswirtschaft. Die Verbraucherschützer sehen jeden Tag Kunden, die falsch beraten worden sind. Wenn dann noch Kundenbestände im großen Stil veräußert werden, dann passt das alles in eine Schublade: Die Versicherer machen den großen Profit und wenn der nicht groß genug ist, werden die Kunden abgeschoben. Wenn erst einmal so ein Eindruck entstanden ist, ist es natürlich schwer, den wieder gut zu machen. Aber ich glaube, dass da zu Unrecht ein negatives Stimmungsbild aufgebaut worden ist.
Heß: Viele Vermittler haben Riester ja deswegen auch gar nicht mehr ihren Kunden angeboten, weil die Medienberichterstattung schon seit Jahren unausgewogen ist. Das Thema wurde vielfach so tot geschrieben, dass ein Vermittler, der es bisher noch nicht gemacht hat, gar nicht auf die Idee gekommen ist, sich damit zu beschäftigen.

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