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Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH / Foto: © CREDO Vermögensmanagement GmbH

Manche Entscheidungen, die wir im Leben treffen, können unser Leben in dramatischer Weise verändern. Die Zukunft ist ungewiss. Deshalb sind die Auswirkungen und die Tragweite unserer Handlungen meistens nicht absehbar. Das Leben von Apple-Gründer Ron Wayne wäre mit Sicherheit anders verlaufen, wenn er seine Anteile nicht kurz nach der Gründung wieder abgegeben hätte. Er wäre heute einer der reichsten Männer der Welt.

Das amerikanische Technologieunternehmen Apple wurde am 1. April 1976 von Steve Wozniak, Steve Jobs und Ron Wayne gegründet und gehört zu den ersten Herstellern von Personal Computern. Apple trug durch die Entwicklung einer grafischen Benutzeroberfläche und der Maus maßgeblich dazu bei, dass PCs massentauglich wurden. Das Konzept und die Entwürfe für den Apple I, den weltweit ersten Personal Computer, entstanden unter Federführung von Wozniak kurz vor der Firmengründung in Los Altos im Silicon Valley. Sein PC lieferte die Basis für die Geschäftsidee und war gleichzeitig das erste Produkt der Firma Apple.1

Das Startkapital betrug 1.300 US-Dollar. Die Geschäftsanteile zwischen Jobs, Wozniak und Wayne waren nach dem Schlüssel 45, 45 und zehn Prozent verteilt. Wozniak war der kreative Bastler und Computer-Nerd, Jobs hingegen der Visionär, der die Idee zur Gründung verfolgte. Ohne den dritten im Bunde, Ronald Wayne, würde es Apple heute in der Form vermutlich nicht geben, denn Wayne war derjenige, der die beiden anderen zusammenbringen und zwischen ihnen vermitteln konnte, so dass sie sich auf ein gemeinsames Konzept einigten. Wayne kümmerte sich um die juristischen Formalien der Firmengründung und zeichnete auch das erste Logo der neuen Firma, das Isaac Newton unter einem Apfelbaum, an dem ein einzelner Apfel hing, sitzend zeigte.

Die Geschichte von Ronald Wayne

Der Mitgründer Ronald Wayne verließ Apple jedoch bereits elf Tage später, aufgrund von Sorgen um die Zahlungsmoral der Firma Byte Shop, die der erste Kunde der neuen Firma war. Seine Anteile am Unternehmen verkaufte er dabei für insgesamt 2.300 US-Dollar.

Wayne (Jahrgang 1934) war damals bereits 41 Jahre alt, lebte mit seiner Mutter zusammen und war wie die beiden anderen Gründer auch Mitarbeiter bei Atari. Bereits 1971 machte er sich selbständig und gründete eine Firma, die „Slot Machines” verkaufte. Leider ging das Projekt schief. Selbstkritisch stellte Wayne hinterher fest, dass er kein guter Geschäftsmann war. Das erklärt vielleicht seine Angst, dass Apple ein Flop werden könnte. Er befürchtete, dass er persönlich in die Haftung genommen wird, weil er der einzige der drei Gründer war, der damals materielles Vermögen besaß. Wirtschaftlich war die Entscheidung Waynes, die Anteile an Apple wieder abzugeben, ein großer Fehler. Dennoch hat er immer wieder betont, dass er seine Entscheidung nicht bereut. „Ich war über 40 und die beiden Steves waren in den 20ern. Sie waren Wirbelwinde – es war eine unerwartet schwierige Situation. Wenn ich bei Apple geblieben wäre, wäre ich vermutlich der reichste Mensch auf dem Friedhof.“

Später hat Wayne sein Apple-Archiv und seine Original-Dokumente für geschätzte 30 bis 50 000 US-Dollar verkauft – einschließlich seiner Apple I-Bedienungsanleitung, die er damals konzipiert hatte. Die Vermarktung half Wayne, seine ausstehenden Rechnungen zu bezahlen. Wenn er seinen Anteil an Apple behalten hätte, wäre sein Vermögen heute mehr als 100 Mrd. US-Dollar groß und er wäre einer der reichsten Menschen dieser Erde.

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