Sozialversicherung sollte sich an Wertschöpfung orientieren

Foto: © Gina Sanders - stock.adobe.com

Die gesamte Wirtschaft könnte davon profitieren, wenn die gegenwärtigen lohngezogenen Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherungen auf eine wertschöpfungsabhängige Finanzierungsbeteiligung umgestellt würden. Zu diesem Ergebnis kommen Simulationsrechnungen, die das Handelsblatt Research Institute (HRI) im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) erstellt hat.

In den meisten Industrieländern sinken seit mehr als 30 Jahren die gesamtwirtschaftlichen Lohnquoten, selbst wenn die Beschäftigung zunimmt. Wenn diese Entwicklung weiter anhält, hätte dies auch Folgen für die Sozialversicherungen, deren wichtigste Finanzierungsgrundlage die beitragspflichtigen Lohneinkommen sind.

Umbasierung des Arbeitgeberbeitrages

Nach Auffassung der Studienautoren Dennis Huchzermeier und Bert Rürup könnte eine Arbeitgeberbeitrag, der sich nach der gesamten Wertschöpfung des Unternehmens richtet, eine Antwort auf die zu beobachtende Schwächung der gegenwärtigen lohnbezogenen Basis der Sozialversicherung sein. Durch solch eine Umbasierung der Arbeitgeberbeteiligung würden bislang nicht beitragspflichtige Wertschöpfungskomponenten erfasst. Ziel dieser Umbasierung der Beteiligung der Arbeitgeber an der Finanzierung der Umlagesysteme ist nicht die Erhöhung dieser Finanzierungsbeteiligung, sondern eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage.

Zwischenzeitlicher Rückgang der Beschäftigung

Die Beschäftigungseffekte einer solchen Umstellung der Arbeitgeberanteile wären – wie die in Kooperation mit der Prognos AG durchgeführten Simulationsrechnungen ergeben – in der Summe leicht positiv im Vergleich zu einer Fortschreibung des Status quo. Allerdings kommt es in den ersten Jahren nach der Umstellung zu einem erheblichen gesamtwirtschaftlichen Rückgang der Beschäftigung. Dieser Rückgang wird längerfristig in allen Umstellungsszenarien überkompensiert.

Eine nachhaltige beschäftigungs- und wachstumsfeindliche Hemmung der privaten Investitionen, wie sie in einschlägigen Studien aus den 1980er Jahren ermittelt wurde, sowie nennenswerte Preiseffekte wären infolge der zwischenzeitlich geänderten Struktur der deutschen Wirtschaft ausweislich der Simulationsergebnisse nicht zu erwarten. Der Maschinenbau, das Baugewerbe und nicht zuletzt der öffentliche Sektor würden durch eine solche Änderung des Arbeitgeberbeitrags zu den Sozialversicherungen finanziell entlastet. Der Staat hätte damit die Möglichkeit, mit den im Zuge der Umbasierung anfallenden fiskalischen Einsparungen bestehende Personallücken zu schließen, ohne dafür die bestehende Abgabenlast zu erhöhen oder andere Ausgaben zu kürzen.

Weiter auf Seite 2