Schon wieder ein Goldskandal?

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Gold übt seit Jahrtausenden eine riesige Faszination auf die Menschen aus und gilt gerade in Krisenzeiten als sicherer Hafen. Anleger des Kölner Goldhändlers Bonus.Gold könnten sich mit ihrem Investment aber in stürmische See begeben haben. Es bestehen sogar enge Verbindungen zu einem anderen Goldskandal.

Ein wesentliches Problem bei einer Investition in Gold ist die Lagerung, schließlich hat nicht jeder einen Tresor zuhause und das Edelmetall relativ ungesichert in der Wohnung zu deponieren ist keine gute Idee. Bei einer Lagerung in einem Bankschließfach fallen Kosten an, die am Ende die Rendite des Investments schmälern. Die Bonus.Gold GmbH bot Investoren eine interessante Lösung für das Lagerproblem: So bot der Kölner Goldhändler mit „Bonusgold“ eine Art Zins an, wenn Kunden das bei der Firma gekaufte Gold dort einlagerten. Investoren sollten innerhalb von zwei Jahren bis zu 22 % mit ihrem Goldinvestment machen. Die Renditen sollten durch den Handel mit Altgold, durch Recycling und die Herstellung von türkischem Hochzeitsschmuck erzielt werden. Wie das Handelsblatt berichtet, hatte Ex-Bonus.Gold-Chef Atakan Kaynar mit diesem Versprechen ca. 870 kg Gold im Wert von ca. 45 Mio. Euro an Anleger verkauft. Er habe jedoch im Mai gegenüber dem Blatt einräumen müssen, dass aufgrund der Coronakrise der Handel mit türkischem Hochzeitsschmuck zum Erliegen gekommen sei, weshalb die Zahlungen von „Bonusgold“ ausgesetzt werden müssten, auch das Gold könne derzeit nicht vollständig ausgeliefert werden. Gegenüber dem Handelsblatt erklärte Kaynar jedoch, dass es das Ziel sei, wieder zu den alten Renditen zurückzukommen. Das könnte sich jedoch als schwierig erweisen: So verdichten sich laut Handelsblatt die Hinweise darauf, dass es hinter den Kulissen der Bonus.Gold GmbH erhebliche Probleme gäbe. Verdächtig sei zudem, dass die Firma telefonisch nicht erreichbar sei und Mails an die Firmenadresse als „unzustellbar“ zurückgesendet würden. Gerüchte, dass es beim Goldhändler bereits Durchsuchungen gegeben habe, wurden laut Handelsblatt bislang nicht bestätigt.

Völlig überraschend kommen die Probleme bei Bonus.Gold nicht: Bereits im Juli vergangenen Jahres berichtete das Handelsblatt, dass ein Wirtschaftsprüfer die Existenz von mehr als 90 % des Kundengoldes für das Geschäftsjahr 2017 als „nicht hinreichend nachgewiesen“ einstufte. Zudem wurde das Unternehmen vor drei Jahren von drei ehemaligen Mitarbeitern von PIM Gold gegründet. Der inzwischen insolvente Goldhändler aus dem hessischen Heusenstamm steht ebenfalls unter Betrugsverdacht, weshalb dessen ehemaliger Geschäftsführer Mesut P. derzeit in Untersuchungshaft sitzt und sich bald vor Gericht verantworten muss. (ahu)