Nur die Polen sind noch besser

28.08.2019

Polens Hauptstadt Warschau: nur in unserem östlichen Nachbarn sind die Finanzplaner noch besser ausgebildet als hierzulande / Foto: © Mike Mareen - stock.adobe.com

Wer in Deutschland seine finanzielle Zukunft planen will, hat einen großen Vorteil: Er kann auf im europäischen Vergleich sehr gut ausgebildete, erfahrene Experten zurückgreifen. Eine Kundengruppe mit großem Potenzial wird von den deutschen Finanzplanern aber noch vernachlässigt. Für die Zukunft sehen sich die Berater gut gerüstet.

„Eine Finanzberatung kann immer nur so gut sein, wie der Berater“, meint Professor Dr. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des Financial Planing Standard Boards Deutschland (FPSB Deutschland). Deutsche Anleger haben in diesem Punkt einen großen Vorteile gegenüber Anleger in anderen europäischen Ländern, wie aus einer repräsentativen Umfrage hervorgeht, die von der European Financial Planning Association unter ca. 1.500 zertifizierten Finanzberatern in 16 europäischen Ländern durchgeführt wurde, die alle über mindestens einer der drei EFPA-Zertifizierungen EIP, EFA oder EFP/CFP verfügen. So zeigt die Untersuchung, dass die deutschen Finanzplaner überdurchschnittlich gut ausgebildet sind: Während von allen Befragten 32 % zusätzlich zu ihrer Ausbildung zum Finanzplaner über einen Master-Abschluss verfügen, sind es bei den 150 deutschen Befragten 47 %, die einen Masterstudiengang erfolgreich abgeschlossen haben. Die deutschen Berater liegen mit ihrem Anteil damit europaweit auf Platz 2. Unangefochtener Spitzenreiter sind die polnischen Finanzplaner, von denen ganze 78 % über ein erfolgreich abgeschlossenes Masterstudium verfügen. Aufgrund der guten Ausbildung beraten die CFP-Professionals in Deutschland auch vergleichsweise häufig über alle Themenkomplexe hinweg. So bieten im europäischen Durchschnitt 39 % der Finanzplaner auch Immobilienberatung an, in Deutschland sind es 75 %. Dass in Deutschland die Immobilienberatung so eine große Rolle spielt, dürfte damit zusammenhängen, dass hierzulande die Wohneigentumsquote deutlich geringer ist als im Rest Europas. Ansonsten legen die Kunden bei den Beratungsdienstleistungen europaweit auf ähnliche Dinge wert, wie Rolf Tilmes erläutert. „Ruhestandsplanung und Investmententscheidungen spielen hier insgesamt die größte Rolle, wobei Immobilienberatung vor allem ein deutsches Thema ist.“

Dass viele Finanzplaner einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen, liegt laut der Umfrage darin begründet, dass dies zu besseren Empfehlungen und einem besseren Verständnis des Kunden führt. In allen Ländern und besonders in Deutschland (71 %) sind die Finanzplaner aber auch der Meinung, dass die Regulierung eine ganzheitliche Beratung schwierig macht oder gar verhindert. „Allerdings gibt es keine regulatorische Vorgabe, die eine ganzheitliche Beratung wirklich erschwert“, stellt Tilmes auch fest. Die Regulierung bedingt auch strengere Dokumentationspflichten in der Beratung. Jedoch zeigt die Frage nach der Dokumentation der Empfehlung, dass MiFID zweit noch nicht vollständig umgesetzt ist. So gaben europaweit in 16 % der Fälle die Finanzplaner mündliche Empfehlungen, in Deutschland sind es hingegen nur 7 %. Allerdings schreiben hierzulande 34 % der Befragten umfassende Finanzpläne, in Frankreich sind es sogar 64 %, die das tun.

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