Noch viel ungenutztes Potenzial bei Big Data

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Der Einsatz von Big Data beim Thema Finanzierung ist im vergangenen Jahr in den mittelständischen Industriebetrieben nicht wirklich vom Fleck gekommen, obwohl damit Zahlungsaufällen vorgebeugt werden könnten. Das ist ein Ergebnis der Studie “Industrieller Mittelstand und Finanzierung 4.0”.

creditshelf hat dafür zusammen mit der TU Darmstadt mehr als 250 Vorstände und Geschäftsführer zum dritten Mal in Folge befragt. „Die Unternehmen wissen um die Möglichkeiten, die Big Data bietet und erkennen die Vorteile der schnellen Datenanalyse. Aber noch sind sie zu zaghaft in der Umsetzung“ so Dr. Daniel Bartsch, Vorstand und Gründungspartner von creditshelf. 2018 hatte nur jedes vierte Unternehmen die Auswertung von Big Data praktisch eingesetzt. In naher Zukunft wird sich die Anzahl der Nutzer wohl steigern: 44 % der Unternehmer gaben in einer Umfrage an, Big Data momentan konkret für den Einsatz zu planen, letzes Jahre waren es nur 39 %. „Das Interesse steigt, und immer mehr Mittelständler wollen die Möglichkeiten, die Big Data bietet, nutzen”, erläutert Dr. Bartsch.

Prof. Dr. Dirk Schiereck, TU Darmstadt, Leiter des Fachgebietes Unternehmensfinanzierung erklärt: „Eine solide Liquiditätsplanung ist der Schlüssel, um Engpässe frühzeitig zu identifizieren. Als verlässliches Controlling-Instrument gehört die Beobachtung der Zahlungsströme deshalb zu den wichtigsten Aufgaben. Und wenn die eigenen Daten auf Knopfdruck mit denen der Mitbewerber verglichen werden können, bekommt der Vorstand ein wichtiges Hilfsmittel an die Hand, gegebenenfalls Stellschrauben zu justieren.“ Er hat die Studie wissenschaftlich begleitet und kommt zur Schlussfolgerung, dass eine zu geringe Liquiditätsreserve das Unternehmen schnell in die Insolvenz führen kann. Eine zu hohe Liquiditätsreserve führt zu unproduktivem Geld auf dem Konto, dass „nicht für Investitionen genutzt werden kann.“

Eine trügerische Momentaufnahme

9 von 10 Unternehmen halten ihre aktuelle Buchhaltungssoftware für zukunftsfähig, doch laut Dr. Bartsch zeigen die meisten nur den aktuellen IST- Zustand an und würden damit eine trügerische Momentaufnahme liefern. „Eine fundierte Liquiditätsplanung auf Basis von Big-Data-Methoden liefert Informationen zur Zahlungsfähigkeit und sichert Handlungsspielräume. In Kombination mit einer flexiblen und schnellen Finanzierungsmöglichkeit, gewinnt ein Unternehmen so einen echten Wettbewerbsvorteil“, so der creditshelf-Vorstand abschließend. (mf)