Mittelstand will Finanzierung 4.0

Immer mehr mittelständische Industrieunternehmen sind bereit, Echtzeit-Daten an Kreditgeber zu übermitteln / Foto: © zapp2photo - stock.adobe.com

Immer mehr mittelständische Industrieunternehmen sind bereit, Kreditgebern Echtzeit-Daten aus ihrer Produktion zur Verfügung zu stellen. Vor allem der Aspekt Flexibiltät gewinnt an Bedeutung.

92 % der mittelständischen Industrieunternehmen können sich mittlerweile vorstellen, Kreditgebern Echtzeit-Daten aus ihrer Produktion zur Verfügung zu stellen. Das zeigt die zum zweiten Mal durchgeführte Studie „Industrieller Mittelstand und Finanzierung 4,0“, für die creditshelf gemeinsam mit der TU Darmstadt 244 Vorstände und Geschäftsführer befragt hat. Damit ist die Offenheit gegenüber einer Finanzierung 4.0 innerhalb eines Jahres weiter gestiegen: Bei der ersten Durchführung der Studie waren noch 85 % der Befragten bereit, Kreditgebern Echtzeit-Daten aus ihrer Produktion bereit zu stellen. Die gestiegene Offenheit des Mittelstandes für eine Finanzierung 4.0 begründen die Autoren der Studie mit der weiteren Verbesserung der technischen Möglichkeiten der Unternehmen: Erfassten im vergangenen Jahr noch 77 % der Befragten Echtzeit-Daten mit Sensoren in Anlagen, Maschinen und Geräten, ist dieser Wert bei der diesjährigen Umfrage auf 89 % gestiegen.

„Einmal mehr zeigt unsere Studie, dass sich der industrielle Mittelstand rasend schnell Richtung Industrie 4.0 entwickelt und Echtzeit-Daten aus der Produktion auch immer stärker und effektiv für sich nutzt“, erklärt Dr. Daniel Bartsch, Vorstand und Gründungspartner von creditshelf.

Vielfältige Gründe

Die drei wichtigsten Gründe, Kreditgebern Echtzeit-Daten zur Verfügung zu stellen sind die Hoffnung, dadurch eine flexiblere Laufzeit zu erhalten (60 %), dass schneller über den Kredit entschieden wird (58 %) und dass der Zinssatz dadurch sinkt (54 %). Vor allem die flexiblere Laufzeit gewinnt deutlich an Bedeutung: Bei der letztjährigen Umfrage antworteten so nur 53 % der Befragten.

„Der Mittelstand ist an dieser Stelle auf einem sehr guten Weg. Denn logischerweise kann man mit flexiblen Finanzierungsmodellen auch sehr viel flexibler auf ganz unterschiedliche Situationen reagiert werden. Beispielsweise, wenn die Auftragslage kurzfristig dünner geworden ist“, erklärt hierzu Prof. Dr. Dirk Schiereck, Leiter des Fachgebiets Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt, der die Studie wissenschaftlich begleitet hat. In diesem Zusammenhang findet er problematisch, dass Banken „häufig noch an althergebrachten Modellen festhalten, was unter anderem in der für sie häufig schwierigen Greifbarkeit immaterieller Vermögensgegenstände begründet“ sei.

Aus diesem Grund rät creditshelf-COO Bartsch mittelständischen Unternehmen, sich nicht nur auf traditionelle Finanzierungen zu beschränken, sondern „auch Alternativen zu prüfen, bei denen auf die neu gewonnene Flexibilität des Unternehmens flexibel reagiert werden kann.“ Dafür seien gleichzeitig weitergehende Investitionen in Technologien der Industrie 4.0 notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben. (ahu)

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