Mehr als Zahlen, Daten, Fakten

(v.l..n.r) Chadya Kamal, Daniela Landgraf, Lan Anh Nguyen, Tra My Cheng, Luisa Griwatz und Lisa Brunner @ Foto: © Sabrina Henkel

In unserem zweiten Teil des Roundtables mit geballter Frauenpower aus der Finanzwelt sprechen wir mit den Expertinnen Chadya Kamal, Luisa Griwatz, Daniela Landgraf, Tra My Cheng und Lan Anh Nguyen über die Ansprache von Frauen als Kundinnen. Den ersten Teil, in dem die Expertinnen berichten, wie es sie überhaupt in die Finanzbranche verschlagen hat, finden Sie hier.

Chadya Kamal ist erfolgreiche Finanzberaterin. Neben Vertrauen geht es ihr bei der Kundenbetreuung vor allem um eine ganzheitliche Beratung.
Lan Anh Nguyen hat die Börse in der Pandemie für sich entdeckt. Sie ist PR-Managerin bei Engel & Völkers und lehrt als Dozentin an der Hochschule Hannover. Als Miss Germany Top-20 Kandidatin möchte sie besonders Frauen Finanzthemen näherbringen.
Luisa Griwatz nennt sich „Deine Leadmaschine“. Die geschäftsführende Gesellschafterin der G&P GmbH ist auf Leadgenerierung über Social Media spezialisiert und verhilft Vermittlern und Maklern zu neuen Kontakten ohne Kaltakquise.
Daniela Landgraf ist seit vielen Jahren in der Finanzbranche zu Hause. Mittlerweile ist sie IHK-Prüferin, Coach, Rednerin und hat mehrfach erfolgreiche Bücher geschrieben. Auch sie möchte mehr Frauen für Finanzthemen und die Branche begeistern.
Tra My Cheng hat sich in ihrer Finanzberatung auf Frauen spezialisiert. Mit einem innovativen Konzept möchte die MA Money-Co-Gründerin ihnen negative Gefühle und Ängste vor Finanzen nehmen.

Lisa Brunner: Welchen Rat oder Hilfe habt ihr – als Kun­dinnen – für eure persönlichen Finanzen bekommen, be­vor ihr in die Branche gekommen seid? Was hat euch da am meisten weitergebracht?
Chadya Kamal» Neben meiner Berufsausbildung als Bank­kauffrau war es meine Mutter, die mich da beeinflusst hat. Das Finanzielle lag in unserer Familie immer bei ihr, weil mein Vater eher gerne Geld ausgegeben hat, als zu sparen. Sie hat sich um alles gekümmert und das Geld eingeteilt, obwohl sie selbst noch jung war. Die Prägung dafür, dass ich meine Finanzen selbst mache und wie ich sie mache, kommt von ihr.
Lan Anh Nguyen» Ich kenne einen Start-up-Gründer aus Amsterdam, der sich mit einer App für finanzielles Selbst­bewusstsein selbstständig gemacht hat. Er hat mir beige­bracht, dass man auch kalkulierte Risiken eingehen muss, um Rendite einzufahren. Da ich eher aus einem konservati­ven (Geld-)Haushalt komme, war mir das nicht so bewusst. Damit hat er mir die Perspektive und den Zugang zur Börse eröffnet.
Daniela Landgraf» Ich bin mit diesen ganz klassischen Glau­benssätzen groß geworden: ‚Du musst hart für dein Geld arbeiten. Geld ist immer knapp. Es ist nie genug da. Jede Ausgabe muss überlegt werden.‘ Und ich habe auch mit­erlebt, wie Frauen von Männern finanziell abhängig waren. Da wusste ich: Ich will es später mal anders haben. Ich weiß noch, dass ich als Kind ganz fasziniert vor den Schaufens­tern von Versicherungsagenturen mit den tollen Bildern ge­standen habe und gesagt habe: Das möchte ich auch. Das Thema Geld war für mich also schon früh da, aber ich hatte niemanden, der mich angeleitet hat.
Luisa Griwatz» Bei mir kam der Rat von meiner Mutter und meiner Großmutter, also auch von Frauen. Von klein auf ha­ben sie mir gesagt, dass ich mir etwas Eigenes aufbauen und mich nicht von einem Mann abhängig machen sollte. Denn es ist einfach toll, wenn beide Partner jeweils eine Einkunfts­quelle haben. So kann jeder seine eigenen Ziele verfolgen, zusammen hat man aber einen noch größeren Mehrwert für das gemeinsame Leben. Und das war dann auch mein Ziel, von Anfang an alles selbst in die Hand zu nehmen. Meine Großmutter hat das damals mit ihrem Mann erfahren dürfen. Er hat immer dafür gesorgt, dass sie eigeständig im Leben steht und nicht von ihm abhängig ist. Sie haben zusammen ihr Unternehmen geführt. Das hat mich beeindruckt, als Paar ein Imperium aufzubauen. Besonders weil die Frau nicht nur im Schatten des Mannes stand, sondern beide vorne mit da­bei waren. Das hat mich dazu motiviert, mein eigenes Ding zu machen, anstatt mich zurückzuhalten und zu hoffen, dass mich irgendwann ein reicher Mann heiratet.
Tra-My Cheng» Tatsächlich kam der beste Rat von meiner Scheidungsanwältin. Ich dachte eigentlich immer, dass ich fi­nanziell unabhängig und gut aufgestellt bin. Ich habe schon früh mein eigenes Geld verdient, um meine Familie finanziell zu unterstützen. In meiner eigenen Ehe habe ich dann aber irgendwann den Überblick verloren und meinem Partner die Finanzen überlassen. Das habe ich aber erst bei unserer Trennung so richtig realisiert. Ich war Ende 20 und meine Anwältin hat mich gefragt: ‚Wie kann es sein, dass Sie sich während Ihrer Ehe – obwohl Sie berufstätig sind – nichts auf­gebaut haben, Ihr Mann aber so viel?‘ Und dann hat sie noch etwas zu mir gesagt, weshalb ich mich entschieden habe, in die Finanzbranche zu gehen und ausschließlich Finanzbera­tung für Frauen zu machen: ‚Es geht so vielen Frauen so. Oft sind diese Frauen aber Mitte 40 oder älter und nicht erst Ende 20. Sie können sich jetzt noch alles aufbauen, was an­dere Frauen nicht mehr können.‘ Und das hat mich wirklich beschäftigt, weil ich dachte: Ich bin so eine selbstbewusste Frau, die schon mit 14 Jahren arbeiten gegangen ist und nie abhängig sein wollte. Aber ich musste mir eingestehen, dass ich gar keinen Überblick mehr über mein Vermögen hatte. Das hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Und mir war klar: Ich muss schnell handeln, um eine gute finanzielle Basis für mich und meine Kinder aufzubauen.

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