MainSky AM: Die Wende ist näher als viele glauben

Daniel Pfändler, Portfoliostratege MainSky Asset Management / Foto: © MainSky Asset Management

Beim derzeitigen Blick auf die Aktienmärkte könnte man meinen, die Corona-Krise sei bereits ausgestanden. Das ist zwar nicht der Fall, aber die Kombination aus zuvor massiv reduzierten Wachstumsprognosen und dem durch historisch einmalige fiskalpolitische Maßnahmen gegebenen konjunkturellen Erholungspotenzial zieht derzeit bei den Investoren zahlreiche Neubewertungen nach sich.

Risikofaktor bleibt in jedem Fall eine zweite Infektionswelle, welcher aber durch dann eher regionale statt nationaler Lockdowns und Fortschritte in den Behandlungsmöglichkeiten deutlich abgeschwächt wird. Mit der Erholung der Wirtschaftsaktivität einhergehen dürfte eine Stabilisierung der Gewinnerwartungen für die Unternehmen. Gleichzeitig können die Bewertungen vor dem Hintergrund einer auch zukünftig äußerst expansiven Geldpolitik höher tendieren.
In diesem Umfeld sehen wir auch Chancen für eher wachstumssensitivere Sektoren. In Kombination mit der von uns erwarteten Einigung über einen „Recovery Fund“ in der Europäischen Union hat sich damit auch das Umfeld für europäische Aktien verbessert. Entsprechend haben wir unser Exposure unter anderem im MainSky Macro Allocation Fund erhöht.
Die weltweite Wirtschaftsaktivität ist aufgrund der Viruspandemie und im Zuge der drastischen „Social distancing“-Maßnahmen, die nahezu gleichzeitig in einer Vielzahl von Ländern ergriffen worden sind, dramatisch eingebrochen. Die Pandemie stellt dabei sowohl einen negativen Nachfrageschock (es wird weniger konsumiert, weil die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wird und die Unsicherheit die Sparquote in die Höhe treibt) als auch einen negativen Angebotsschock dar (weil Geschäfte schließen müssen und teilweise Lieferketten unterbrochen werden). In der Folge sind auch die Wachstumserwartungen global massiv reduziert worden. Wurde beispielsweise im Winter für das aktuelle zweite Quartal für die USA noch ein Wachstum von knapp zwei Prozent erwartet, beläuft sich die Konsenserwartung zuletzt auf minus 34 Prozent (annualisiert) und der GDP-Tracker der Atlanta-Fed steht gar bei minus 52,8 Prozent. Für Deutschland wird für das laufende Quartal ein Rückgang des BIP von neun Prozent gegenüber dem Vorquartal erwartet, für das Gesamtjahr ein Minus von 6,2 Prozent. Die Wirtschaft der Eurozone sollte im zweiten Quartal um 11,3 und im Gesamtjahr um 7,6 Prozent schrumpfen. Diese Abwärtsrevisionen in den Wachstumserwartungen gingen einher mit rückläufigen Notierungen bei den „sicheren“ Renditen wie US-Treasuries und Bundesanleihen. Gleichzeitig wurden die Erwartungen für die Unternehmensgewinne gesenkt, genauso wie die Nachfrage nach Rohstoffen.

Der Tiefpunkt ist erreicht

Wir sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass zeitnah sowohl die tatsächlichen Wachstumsentwicklungen diese reduzierten Erwartungen übertreffen als auch die Erwartungen selbst schon bald an ihrem Tiefpunkt angekommen sein werden. Damit einhergehen dürfte eine Bodenbildung bei den Gewinnerwartungen und folgend eine veränderte Dynamik an den Finanzmärkten, die sich in den letzten Tagen schon abgezeichnet hat. So dürfte der Tiefpunkt in der Wirtschaftsaktivität schon durchschritten sein und die Wachstumsdynamik bereits wieder zunehmen. Die „Social distancing“-Maßnahmen wurden in Südostasien zumeist schon deutlich gelockert und werden aktuell in Nordeuropa und den USA schrittweise reduziert. Entsprechend erholt sich die Wirtschaftsaktivität, weil die Unternehmen wieder vermehrt produzieren und die Verbraucher konsumieren können – wenn auch auf niedrigerem Niveau als vor der Krise, weil einige Vorsichtsmaßnahmen noch für einen längeren Zeitraum bestehen bleiben.

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