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Die Skyline von Tokio / Foto: © basiczto - stock.adobe.com

Eine überalternde Bevölkerung und eine Rekordstaatsverschuldung: Das sind zwei wesentliche Attribute, die mit Japan verbunden werden. Dennoch ist der viertgrößte Inselstaat der Erde weiterhin ein lohnendes Investmentziel – aus mehreren Gründen.

Vom 24. Juli bis 9. August 2020 blickt die (Sport-) Welt nach Tokio: In der japanischen Hauptstadt finden die Olympischen Sommerspiele statt. Auch wenn in diesen beiden Wochen Millionen von Menschen aus aller Welt das Land besuchen werden, glaubt Richard Kaye nicht, dass das sportliche Großereignis Japans Wirtschaft nachhaltig verändern wird. „Olympische Spiele hatten in der Vergangenheit für das jeweils ausrichtende Land meist nur eine kurzfristige wirtschaftliche Wirkung“, so der Portfoliomanager des Comgest Growth Japan, der zudem erwartet, dass nur wenige Branchen von den Spielen profitieren können. So könnten beispielsweise Hersteller von Klimaanlagen, Produzenten von Elektrowerkzeugen, Discounter, Kosmetikunternehmen oder Freizeitparkbetreiber einen kurzfristigen Schub erhalten. „Wie lang dieser Schub anhält, bleibt aber abzuwarten“, so Kaye weiter. Wenn Staatsverschuldung eine olympische Disziplin wäre, ginge die Goldmedaille ganz klar an den nächsten Gastgeber: Mit 236 % des BIPs hat Japan die höchste Staatsschuldenquote der Welt und liegt damit noch 45 Prozentpunkte über der des europäischen Sorgenkindes Griechenland, das weltweit auf Rang 2 liegt.

Keine Angst vor Alter und Verschuldung

Für Ronald Slattery stellen diese Zahlen aber nicht unbedingt ein Problem dar. „In der Tat ist Japan die einzige große Volkswirtschaft, in der sich das strukturelle Haushaltsgleichgewicht der Regierung verbessert. Japans relativ stabile wirtschaftliche Bedingungen und die lockere Geldpolitik haben auch dazu beigetragen, das Defizit zu kontrollieren und die Finanzierungskosten für Schulden niedrig zu halten“, gibt der Fondsmanager des Fidelity Japan Advantage Fund zu bedenken, der sich auch optimistisch für die Zukunft zeigt. „Ein flexiblerer Ansatz für fiskalische Anreize sollte es der Regierung ermöglichen, Maßnahmen (z. B. die Verbesserung der sozialen Sicherheit und des Bildungswesens, der öffentlichen Infrastruktur und weiterer Strukturreformen) umzusetzen, die dem künftigen Wachstum förderlich sind.“ Nicht nur bezüglich der Staatsverschuldung ist Japan im weltweiten Vergleich ganz vorn: Mit 42,9 Jahren hat der pazifische Inselstaat zudem nach Monaco das höchste Durchschnittsalter der Welt. Gründe hierfür sind eine niedrige Geburtenrate und eine sehr hohe Lebenserwartung. Das hat auch Folgen für die japanische Wirtschaft, besonders auf den Arbeitsmarkt. So berichtet Ronald Slattery, dass die Erwerbsbeteiligung von Menschen über 65 Jahren in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen ist. Dies wird auch durch Zahlen des japanischen Statistikamtes untermauert, wonach jeder fünfte Japaner über 65 Jahre noch berufstätig ist.

Warum der japanische Arbeitsmarkt dennoch nicht innovationsfeindlich ist, lesen Sie auf Seite 2