Lohnt sich ein Investment in Lateinamerikas zweitgrößter Volkswirtschaft?

Manuel Heyden Mitgründer und CEO von nextmarkets / Foto: © nextmarkets

100.000 Corona-Tote – offiziell. Beobachter gehen von mindestens 150.000 Toten aus. Mehr als eine Millionen Infizierte brachten Mexiko auf einen Spitzenplatz der Pandemieopfer. Ausgangsbeschränkungen hat es in dem Land allerdings trotzdem nie gegeben. Zur Abwechslung hatte hier einmal ein Linkspopulist, Staatspräsident Andres Manuel Lopez Obrador, die Gefahr der Pandemie heruntergespielt. Ein Grund für die laxe Haltung war aber auch: Mehr als die Hälfte der Beschäftigten arbeitet im informellen Sektor. Niemand konnte es sich leisten, zuhause und damit ohne Einkommen zu bleiben. Der von ihnen gewählte Präsident wollte ihnen verständlicherweise nicht die Lebensgrundlage entziehen.

So wird die zweitgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas nach Brasilien ökonomisch gesehen mit zwei tiefblauen Augen durch die Krise kommen. Schlechte Zahlen zwar, aber immer noch besser als die minus zehn Prozent in Brasilien oder gar minus 20 Prozent in Südafrika. Das ist auch der Maßstab für das Schwellenland, das sich ansonsten vollkommen am großen Nachbarn im Norden orientiert: Doch gerade die starke Abhängigkeit von den USA hat Mexikos Leistung stark getrübt.

Mit hinabgerissen wurde ebenso der Mexikanische Peso. Er verlor binnen Jahresfrist satte 35 Prozent. Reichten Mitte Februar noch 20 Peso für einen Euro, musste man dafür anderthalb Monate später 27,31 auf den Tisch legen. So wie dem Peso ist es im Corona-Jahr auch anderen Schwellenland-Währungen gegangen: Brasilianischer Real, Türkische Lira und Südafrikanischer Rand haben gegenüber Dollar und Euro kräftig abgewertet, teilweise um 50 Prozent. Nun mehren sich jedoch die Anzeichen, dass die rasante Talfahrt dem Ende zugegangen ist – beim Peso sogar schon lange. Erstaunlich früh, nämlich kurz nach dem Fall, hatte er sich wieder gefangen. Seitdem besserte sich sein Kurs stetig und liegt nun nur noch bei 24 Peso. In Dollar indes – der seit einiger Zeit schwächelt – sieht die Rechnung aus Peso-Sicht noch besser aus. Wer hier rechtzeitig einstieg, konnte von der Erholungsphase profitieren.

Der Konjunktureinbruch macht dem Land jedoch zu schaffen. Den – von amerikanischen Gästen dominierten – Tourismus hat es ebenfalls schlimm getroffen. Hinzukam: Selbst im Vergleich mit anderen lateinamerikanischen Staaten waren die Unterstützungsleistungen mager. Gerade einmal Selbständige aus dem – so wichtigen – informellen Sektor kamen in deren Genuss, allerdings nur in Form von Krediten. Mittelständische und große Betriebe sowie in- und ausländische Unternehmen gingen leer aus. Es gab weder Steuerstundungen, noch Fiskalpakete. Ein gewisser Trost: Seit Amtsantritt des Präsidenten haben sich die Befürchtungen, seine Politik werde das Land in ein zweites Venezuela verwandeln, nicht bewahrheitet.

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