“Kurze Beine” oder entscheidender Einflussfaktor?

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © Martina Draper

Der nicht enden wollende Handelsstreit und die unklaren Folgen der Europawahl – das politische Umfeld ist nicht gerade eine Triebfeder für die weltweiten Aktienmärkte. Zwar sieht die Bilanz im laufenden Jahr dank des starken Auftakts immer noch sehr gut aus. So richtig trauen mag dem Braten aber kaum jemand.

Vor allem kurzfristig agierende Börsianer kämpfen in diesen Tagen mit erschwerten Bedingungen. „Jeder Tweet von US-Präsident Donald Trump und jede Gegenreaktion aus China sorgt für große Kursbewegungen“, bemängelt der erfahrene wikifolio-Trader Michael Flender, dass die Kurse an den Märkten ganz klar von den politischen Börsen beeinflusst werden. Und das wird seiner Meinung nach bis auf Weiteres auch so bleiben. „Wir sehen aktuell eine zunehmende Verunsicherung, die auch Investitionsentscheidungen der Unternehmen beeinflusst und damit das Wachstum behindert. Zudem sorgen Zölle für höhere Kosten für Unternehmen und Konsumenten. Das alles wird sich mittelfristig auf die Gewinne auswirken und damit auch auf die Kurse.“

Ähnlich sieht das sein Trader-Kollege Christian Jagd: „Längst verschwimmen im Konflikt zwischen den USA und der Volksrepublik China die Sphären zwischen Geo-, Wirtschafts- und Sicherheitspolitik. Das Thema wird den Aktienmärkten in all seinen Facetten als bestimmender Faktor wohl noch länger, wahrscheinlich über Jahre, erhalten bleiben.“ Das liegt in seinen Augen vor allem daran, dass die Dimension des Handelsstreits weit über den üblichen Protektionismus hinausgeht und vielmehr den „Kampf der alten Weltmacht USA gegen die wieder aufstrebende Weltmacht China“ widerspiegelt. Eine hochexplosive Gemengelage, die laut dem Trader Kai Knobloch vor allem für exportorientierte Unternehmen zum Problem wird. Die hätten in den vergangenen Jahrzehnten stark vom Freihandel profitiert und dürften nun bei einer weiteren Verschärfung der Handelskonflikte mit immer neuen Zöllen nachhaltig negative Auswirkungen zu spüren bekommen.

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