Krisenzeiten – Zeit für Gold und Edelmetalle?

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Der Ölpreis auf Tauchfahrt, die Börsen in nervösen Zuckungen und die Zinsen weltweit mit Tendenz unter null. Krisenzeiten waren tendenziell immer gute Zeiten für Gold und Edelmetalle.

Wie wird es voraussichtlich mit Gold und Edelmetallen in 2016 weitergehen? Mit einem leichten Plus ging der Goldpreis im 12-Monatszeitraum 2015 aus dem alten Jahr heraus. Nur 6 Euro lag die Unze Feingold am Jahresletzten höher als am Jahresanfang 2015, doch hatte sich unterjährig so manche Berg- und Talfahrt des Preises ergeben. Andererseits hat hier ein Anlageprodukt das ganze investierte Kapital erfolgreich schützen können – ein Ergebnis, von dem viele Anleger rückblickend nur träumen können.

Laut World Gold Council stieg die Nachfrage nach Gold im 3. Quartal 2015 um 8 % im Vergleich zum Vorjahresquartal auf insgesamt 1.121 Tonnen an. Bemerkenswert daran ist, dass das 3. Quartal 2015 zwei gegensätzliche Trends enthielt: Im ersten Teil des 3. Quartals führten eine Reihe von Faktoren, nicht zuletzt Abflüsse aus ETFs, zu einer Preisdelle, die ein Auslöser einer weltweiten Verbraucher-Nachfragewelle nach Gold war. Die einsetzende Nachfragewelle löste bescheidene Zuflüsse in ETFs aus, die wiederum zu einer Stabilisierung des Preisniveaus beitragen konnten.

Verbraucher-Nachfrage nach Golde xplodiert
erstmals auch in den USA.

Die globale Verbraucher-Nachfrage stieg nach den Zahlen des World Gold Council im 3. Quartal um rund 14 %. Die Investment-Nachfrage stieg im gleichen Zeitraumvergleich sogar um 27 %. In den USA explodierte die Nachfrage nach Goldmünzen und Goldbarren um 207 % (Sie lesen korrekt: zweihundertundsieben Prozent). Der Grund ist nach Dafürhalten vieler US-Marktprofis eine breite Verunsicherung in der US-Bevölkerung verstärkt durch die Preisdelle im 1. Quartal 2015, die eine „Schnäppchenjagd“ bei privaten Goldkäufern auslöste. Die US-Münze bestätigt diesen Trend mit Verkaufszahlen von rund 400.000 Stück bei US-Eagle Goldmünzen im Inland. In den USA wurden zeitweise die gängigsten Goldmünzen und kleinen Barren knapp. Die „August-Krise“, nämlich der kurzzeitige Absturz der Aktienbörsen im August 2015, hat bei den US-Anlegern ein Denkprozess ausgelöst. Mancher Anleger hat – wenn zunächst auch nur geringe – Teile seines Aktiendepots in Gold umgeschichtet, schlicht als Absicherung seines Vermögens gegen Unwägbarkeiten der Märkte.

Mit diesem Schritt geht der US-Privatanleger einen ersten Schritt in die Nutzung von Gold als Vermögensabsicherung. Sollte die Verunsicherung angesichts historisch hoher Aktienkennzahlen anhalten, so wird aus den USA mit einem stetigen Nachfragesog zu rechnen sein. Auch anderswo scheinen sich die Ansichten gegenüber Gold als Vermögensabsicherung zu ändern. In Australien meldet die Perth Mint eine hohe Nachfrage nach Münzen und leidet nach Meldungen zeitweise unter Lieferengpässen.

China und Indien als Dunkelziffern
der Prognose für 2016.

Laut Alistair Hewitt vom World Gold Council bleiben China und Indien weiterhin die dominanten Akteure am globalen Goldmarkt und vereinen rund 45 %‚ der globalen Goldnachfrage. China hat Mitte des Jahres erstmals den offiziellen Stand seiner Goldreserven formal höher eingeordnet, Experten gehen von weit größeren Zuwächsen bei der Bank of China (BOC) und anderorts aus. In Indien ist die Goldnachfrage zur dauernden Zahlungsbilanzkrise geworden, so dass Anfang November letzten Jahres die indische Regierung der Bevölkerung ein Gold-Geschäft anbot: Bis zu 500 Gramm Gold darf jeder Inder in zinsbringende Staatsanleihen tauschen, die nach acht Jahren entweder in Geld oder in physischem Gold ausgezahlt werden. Dafür soll es einen Zins von 2,75 % geben – bei einer Inflationsrate von derzeit rund 6 %. Kein Wunder, dass zu diesem Zeitpunkt nur 30 Kilo Gold von den insgesamt laut Times of India rund 20.000 Tonnen Gold in indischen Haushalten und Tempeln getauscht wurden. Auch in Indien vertraut man aus langer Erfahrung den Politikern nur soweit wie unbedingt nötig.

Zinsen und Währungen.

Das Ritual zu jedem Quartal: Die nette Frau Yellen von der Fed steht an der Zinsschraube und debattiert mit ihren Kollegen, ob, wann und um wie viel – und vor kurzem auch in welche Richtung – daran gedreht werden solle. Höhere Zinsen würden einen stärkeren Dollar und damit auch (in Dollar) einen sinkenden Goldpreis ergeben, so die konventionelle Weisheit. Wer jedoch tatsächlich glaubt, dass lediglich an Leitzinsveränderungen von 0,25 % die Welt hängt, der muss ein schlichtes Gemüt besitzen. Besonders, wenn wenige Monate nach dieser „historischen“ Entscheidung der Zinstrend wieder abwärts geht. Entscheidend ist vielmehr die Entwicklung der Währung, in der der Anleger rechnet. So ist die aktuelle Entwicklung von Gold in Euro für Euroraum-Anleger positiv, für andere Anleger in anderen Währungsräumen weniger. Diese Entwicklung gilt es, zukünftig im Auge zu behalten, da die Welt von einem Zinskrieg in den Währungskrieg zu gleiten beginnt.

Die Sicherheit des investierten
Kapitals ist entscheidend.

Gold ist an erster Stelle eine Vermögensabsicherung für den Kunden, daher muss das erste Ziel des Vermittlers sein, einen Ausfall des Assets beim Kunden zu vermeiden. Unter „Ausfall“ ist der physische Verlust zu verstehen – das Risiko, dass das Gold des Kunden überraschend verschwinden könnte. Bedauerlicherweise haben einige Vermittler diesen Grundsatz vergessen und sich in provisionsgetriebene Goldprodukte wie die der notorischen „BWF“ aus Berlin und andere, ähnlich abgründige Produkte verrannt. Was mit dem Verlust der Anlage für den Kunden beginnt, endet für den Vermittler meist in Haftungsklagen. Dies lässt sich einfach vermeiden, indem der Vermittler auf das physische Vorhandensein und auf strenge unabhängige Kontrollen verschiedener Prüfer achtet, sofern der Kunde das Gold nicht selbst lagert. (cs)

Printausgabe 01/2016