Kommt der 10.000 Euro Schein?

Markus Richert, CFP® und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln / Foto: © Portfolio Concept

Diese Meldung lies Anfang November aufhorchen. Die Professoren Aloys Prinz aus Münster und Hanno Beck aus Pforzheim schlagen vor, Politik und Notenbanken sollten Geldscheine mit Nennwerten von 1.000, 5.000 oder 10.000 Euro in Umlauf bringen. Vermutlich knallte bei dieser Meldung auch in der Schattenwirtschaft so mancher Champagnerkorken.

Die beiden Professoren hatten für diesen Fall jedoch vorgesorgt. Die neuen Banknoten sollten nicht direkt für Transaktionen verwendet werden, sondern lediglich als Wertaufbewahrungsscheine dienen. In ihrem Konzept unterscheiden sie zwischen „T-Geld“ in kleineren Scheinen für Transaktionen und „W-Geld“ in Groß-Scheinen für die Wertaufbewahrung. Das Ziel der beiden ist honoriger, sie wollen damit den Sparer vor den Minuszinsen retten. Denn nur mit Bargeld kann man die derzeitige Politik der Notenbanken unterlaufen. Entsprechend „begeistert“ reagierte die Notenbank auf diesen Vorschlag.

Die Vampir-Note

Dabei ist dieser Vorschlag gar nicht so ungewöhnlich. In anderen Währungsräumen existieren auch Banknoten mit hohen Nennwerten. In Großbritannien beispielsweise gibt es ebenfalls Banknoten mit einem Wert von einer bis sogar 100 Millionen Pfund. Die Scheine sind aber nicht für den Zahlungsverkehr zugelassen, sondern werden nur im Bankenhandel genutzt. Für jede gedruckte Banknote hinterlegen die Banken den Wert in Pfund bei der Bank of England. Auch in Deutschland wurde einmal eine Banknote mit einem solch hohen Nennwert eingeführt. Im Volksmund nannte man den Schein die Vampir-Note und es sollten ihr noch weitaus Größere folgen. Als der 10.000-Mark-Schein im Januar 1922 in Umlauf gebracht wurde, war er der Schein mit dem bis dahin höchsten Wert. Man konnte sich damit auch tatsächlich noch einiges kaufen. Er entsprach zu jenem Zeitpunkt immerhin etwas mehr als 50 Dollar.

Die Inflation saugte das Vermögen der Deutschen auf

Die 10.000-Mark Note wurde eingeführt als die Inflation in der Weimarer Republik langsam vom Trab in den Galopp wechselte. Ab 20 Prozent Teuerung im Monat spricht man von galoppierender Inflation. Auf dem Schein ist Albrecht Dürers „Bildnis eines jungen Mannes“ von 1507 abgebildet. An der rechten Seite des Halses wurden jedoch, ob aus Absicht ist nicht bewiesen, einige Striche hinzugefügt. Sie bewirkten, dass viele bei einer Drehung des Bildes um 90 Grad nach links an dieser Stelle nun etwas ganz anderes zu erkennen glaubten: den Kopf eines Vampirs. Eine treffende Metapher für das, was den Deutschen in den folgenden Monaten bevorstand. Die Inflation saugte langsam das Vermögen der Deutschen auf. Schon im Oktober 1922 war der 10.000 Mark Schein keine zwei Dollar mehr wert. Im November brachte die Reichsbank den 50.000 Mark Schein in Umlauf und spätestens damit startete die Hyperinflation.

Welche skurrilen Blüten die Hyperinflation von 1923 trieb, erfahren Sie auf Seite 2.