Kommt das „dicke“ Ende noch ?

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH / Foto: © I.C.M.

Die Börse feiert das Ende der Restriktionen. Der DAX notiert nach dem 40-prozentigen Crash nur noch zehn Prozent unter dem All-Time-High und tut fast so, als wäre nichts gewesen. Unberücksichtigt ist auch eine nicht auszuschließende 2. Corona-Welle. Trotz aller Erleichterungen über die Kurssteigerungen sollte dem Anleger klar sein, dass die mittelfristigen, eher negativen Auswirkungen noch nicht sicher kalkuliert werden können. Für diejenigen, die nur wenig Liquidität aufgebaut hatten, auch eine Gelegenheit, die Kassenhaltung jetzt vorsichtshalber zu erhöhen.

Fundamental eindeutig ist, dass zur Bekämpfung der Pandemie das gesellschaftliche Leben sowie die Wirtschaft heruntergefahren wurden. Die Produktion erlitt den stärksten Einbruch der Nachkriegsgeschichte. Während in den USA im April über 20 Millionen Menschen ihren Job verloren haben, konnte in Deutschland eine höhere Arbeitslosigkeit durch die Möglichkeit der Kurzarbeit verhindert werden. Inzwischen wurden über zehn Millionen Anträge gestellt. Immerhin ca. 26 Prozent aller Beschäftigten, die sich jetzt mit dem Thema „Arbeitsplatzverlust“ beschäftigen. Auch wenn nicht alle Antragsteller ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, wird deren Konsumbereitschaft sinken.

Um die langfristigen, wirtschaftlichen Schäden in Grenzen zu halten, haben die Regierungen exorbitante Rettungspakete geschnürt und die Notenbanken haben die Geldschleusen noch weiter geöffnet. Im Gegensatz zur Finanzkrise in 2008/2009 hat das Virus nicht nur Kreditinstitute, sondern die gesamte Wirtschaft und alle Menschen getroffen. Die neuen Staatsschulden werden also an Arbeitnehmer, Groß- und Kleinunternehmer als Umsatzersatz weitergereicht, teilweise als Zuschuss, teils als Kredit.

Bei den Unternehmen hat die Bilanzverschlechterung dazu geführt, dass die Ratingagentur Moody´s die Bonität etlicher deutschen Unternehmen herabgestuft hat, weil diese wirtschaftlich geschädigt sind und sich deren Liquidität verschlechtert hat. Unser Exportstaat wurde besonders hart getroffen, zumal auch schon vor der Corona-Krise sich das Wachstum eingetrübt hatte. In den USA kauft die FED auch Unternehmensanleihen im hohen Maße, so dass Unternehmen am Leben gehalten werden, die vor Corona schon große Probleme hatten (Zombie-Unternehmen). Unklar ist auch noch die weitere Entwicklung der Fracking-Industrie.

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