Kapitalmärkte vs. Corona

Georg Seil, Geschäftsführer Georg Seil Consulting / Foto: © Fotostudio Kutscha

Die letzte Woche war eine der „blutigsten“ Wochen, die die Aktienmärkte je erlebt haben. Es gab zwar auch schon früher Crashs, die ähnliche Verluste gebracht haben, aber selten, wenn überhaupt, haben die Märkte in so kurzer Zeit ca. 40 Prozent, einzelne Werte auch 60 und mehr Prozente verloren. Dabei kam es auf ganzer Breite zu Kursstürzen, ohne dass noch sehr stark differenziert wurde. Kaum von der Öffentlichkeit registriert stiegen auch die Anleihen-Renditen um bis zu 0,7 Prozentpunkte. Dies führte dazu, dass zuvor stark negative Renditen bis minus 0,8 Prozent in den Bereich von Null-Prozent anstiegen. Selbst das Gold war kein sicherer Hafen, die Feinunze fiel bis zu 200 USD von der Spitze zurück. Der Euro stürzte um ca. 5 Prozent gegen den USD ab. An den Immobilienmärkten war noch keine wesentliche Unruhe zu verspüren, was in der Natur der Assetklasse liegt, die träge reagiert.

Die beschlossenen Hilfsmaßnahmen der EZB sowie der Bundesregierung konnten nur temporär zu einer vorübergehenden Beruhigung beitragen. Die Aufblähung der Geldmenge durch ein Billionen-Paket der EZB wird vielleicht kurzfristig helfen, trägt aber schon die Frage in sich, wie diese irgendwann einmal wieder eingefangen werden kann. Hier ist in der Ferne ein Staatsbankrott, ein Schuldenschnitt oder eine Inflation erkennbar. Die Abkehr von der „Schwarzen Null“ ist beschlossen und auch die Staatsverschuldung in Deutschland wird, wie überall in Europa, extrem ansteigen. Ob die beschlossenen Maßnahmen ausreichen werden, die exponentiell wachsenden Probleme zu lösen, darf bezweifelt werden. Während sich der eine oder andere Politiker oder Wirtschaftswissenschaftler noch über die Frage auslässt, ob und wann wir eine Rezession haben werden, ist diese längst da, und es ist nur noch eine Frage offen, wie lange und wie tief diese ausfallen wird. Die Realwirtschaft wird so leiden, wie noch nie zuvor. War es 2008 und 2009 im Wesentlichen noch der Finanzsektor, wird es in 2020 die gesamte Volkswirtschaft und jeden Einzelnen treffen.

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