Ist die Wirtschaft auf demographischen Wandel vorbereitet?

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Die Wirtschaft reagiert sehr unterschiedlich auf den demographischen Wandel. Besonders die Gesundheits- und Pharmabranche hat noch deutlichen Nachholbedarf – ähnlich wie die Finanzbranche.

Welche Maßnahmen hat die Wirtschaft bislang ergriffen, um sich auf den demographischen Wandel einzustellen? Welche Branchen/ Unternehmen haben die Zunahme der Zahl älterer Menschen als Chance begriffen und welchen haben den Trend verpasst und ignoriert? Diesen Fragen ging das Meyer-Hentschel Institut nach.

Oldies but Goldies

Positive Ergebnisse kommen aus dem Personalwesen. So hätten fast alle großen Unternehmen erkannt, dass das steigende Durchschnittsalter der Belegschaften neue Chancen biete. Somit sei Frühverrentung kein Thema mehr. Stattdessen ginge es vermehrt darum, die Arbeitskraft zu erhalten und das produktive Miteinander von Alt und Jung zu fördern. Als Beispiel hierfür nennen die Studienautoren das Projekt YES der Daimler AG. Mit dem Projekt, dessen Name für „Young and Experienced together Successful“ stehlt, will der Automobilhersteller einen Kulturwandel anstoßen. Um möglichst viele Menschen außerhalb des Unternehmens zu erreichen, hat man die Ausstellung „Ey Alter“ konzipiert, die derzeit in Berlin installiert ist.

Gesundheitsbranche hinkt (noch) hinterher

Wie kaum eine andere Branche ist die Gesundheitsbranche vom demografischen Wandel betroffen. Doch die Branche hat bislang noch wenig darauf reagiert. So ist schon seit 30 Jahren bekannt, dass die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich steigen wird. Dennoch wurde bislang deutlich zu wenig dagegen unternommen, sodass inzwischen ein ständig wachsender Mangel an Altenpflegekräften besteht und längst das Wort „Pflegenotstand“ in aller Munde ist. Da bislang deutlich zu wenig unternommen wurde, um das Problem zu lösen, wurde aktuell das Ausbildungsniveau für Altenpflegekräfte gesenkt, damit mehr Kandidaten die Altenpflegeprüfung zu bestehen. Ob das allerdings sinnvoll und im Sinne der Patienten ist, darf getrost bezweifelt werden.

Auch die Pharma-Industrie hat sich laut dem Meyer-Hentschel Institut noch nicht ausreichend auf den demografischen Wandel eingestellt. So blieben kundenfreundliche Lösungen für ältere Patienten immer noch die Ausnahme. Beispielsweise würden nach wie vor winzige Tabletten verblistert, was sie für schwache und unbewegliche Finger unerreichbar mache. Auch das Teilen oder gar Vierteln von Tabletten sei nach wie vor noch eine mühevolle Arbeit. Ähnlich sei es bei Augentropen, deren Applizieren Kraft und Geschicklichkeit erfordere. Auch seien Arzneimittel, deren Tropfen auf einem Löffel gezählt werden müssen, für zitternde Hände eine große Herausforderung.

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