Immobilienbranche noch nicht fit für Klimawandel

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Da Immobilien ca. 40 % des CO2-Ausstoßes ausmachen, kommt dem Gebäudesektor eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel zu. Doch der Immobilienbereich ist selbst stark von den Veränderungen betroffen – und hat sich darauf noch zu wenig eingestellt.

Der Klimawandel wird auch in Zukunft eines der beherrschenden Themen sein und starke Auswirkungen auf die Immobilienbranche haben. So haben in den vergangenen Jahren in Deutschland Sturm, Hagel, Schneelast, Hochwasser, Waldbrände, Erdrutsche und Hitzetage deutlich zugenommen und damit auch vermehrt für Schäden an Immobilien gesorgt. Gegen diese Schäden gibt es zwar eine Elementarschadensversicherung. Aufgrund der gestiegenen Schadenshäufigkeit werden diese Policen aber immer teurer. Zudem können damit indirekte Schäden durch Miet- und Nutzungsausfälle und erhöhten Materialverschleiß nicht versichert werden. Deshalb muss die Immobilienwirtschaft, neben den Maßnahmen zur Emissionsreduktion, künftig auch verstärkt die Widerstandsfähigkeit bzw. Resilienz der Gebäude gegen Naturgefahren in den Blick nehmen. Hier besteht jedoch deutlicher Handlungsbedarf, denn bei vielen Immobilienfinanzierungen und Immobilieninvestitionen ist der Risikofaktor noch nicht bzw. nicht ausreichend berücksichtigt. Das sind einige der zentralen Ergebnisse der Studie „Naturgefahren und Immobilienwerte in Deutschland“, die Prof. Dr. Sven Bienert, IREBS International Real Estate Business School, auf Initiative der BF.direkt AG, erstellt und heute im Rahmen einer Online-Pressekonferenz vorgestellt hat. „Obwohl die Folgen der globalen Erwärmung auch hierzulande immer sichtbarer werden, wird bei vielen Immobilieninvestitionen der Risikofaktor Klimaveränderung nicht berücksichtigt. Meiner Meinung nach ist dies ein großer Fehler. Alle Aufmerksamkeit fokussiert sich derzeit auf das Thema ESG. Aber der Klimawandel ist nicht einfach eine Brüsseler Regulierung, die es zu erfüllen gilt, er wird à la longue konkrete Auswirkungen auf alle Immobilien haben. Daher freue ich mich, dass die Studie auch konkrete Handlungsoptionen aufzeigt“, so Francecso Fedele, CEO der BF.direkt AG.

Regionale Unterschiede

Aufgrund verschiedener geografischer Gegebenheiten ist das Gefahrenpotenzial für Immobilien durch Extremwettereignisse und Naturkatastrophen in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt. So kommt es im Süden häufiger zu Starkregen, Hagelschäden und starken Schneefällen, während der Osten eher von Waldbränden und Wasserknappheit infolge von Trockenheit betroffen ist. Diese Ereignisse sind auch in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zu beobachten. An großen Flüssen gelegene Regionen werden häufig von Hochwasserereignissen heimgesucht, während an den Küsten Sturmfluten eine große Gefahr darstellen. Institutionelle Immobilieninvestoren haben den Vorteil, entsprechende regionale Vorkehrungen treffen oder ihre Investitionsschwerpunkte an die regionale Gefahrenlage anpassen zu können. Für den Einzelnen ist dagegen die Risikoexposition am Mikrostandort wichtiger, also das Gefahrenpotenzial innerhalb der Stadt, in der er seinen Lebensmittelpunkt hat.

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