Gold, das unbekannte Wesen

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH / Foto: © I.C.M.

Gold ist bei den Anlegern out. Große Fondsgesellschaften (zum Beispiel Ethenea oder Vanguard) haben ihr Gold verkauft. Insgesamt ist der Goldanteil bei den Vermögen auf unter ein Prozent gesunken. Auf Deutsch: Keiner hat es.

Es gibt drei Hauptbegründungen: Erstens: Gold zahlt keine Zinsen. Dieses Argument habe ich schon wiederholt als unsinnig bezeichnet. Die beiden anderen Begründungen sind: Es hat eine negative Performance und es ist trotz der bekannten Krisen gefallen und nicht gestiegen. Alle Aussagen beweisen, die haben Gold nicht verstanden. Gold kaufen heißt immer, die bestehenden Krisenherde ernst zu nehmen. Philipp Vorndran hat ein passendes Beispiel. Ein Truthahn findet seit Geburt einen vollen Trog vor. Er glaubt, es geht immer so weiter. Er ist sich des Thangsgiving Risikos nicht bewusst.

Dass Gold keine Zinsen zahlt, ist ein 5.000 Jahre alter Hut. Ist auch derzeit nicht so tragisch, weil es für Sparkonten oder Festgelder auch keine Zinsen gibt. Aber selbst die 0,5 Prozent (ca. 0,35 Prozent nach Steuern) für zehnjährige Bundesanleihen garantieren dem Anleger nur den Kaufkraftverlust der nächsten zehn Jahre. Berechnungen besagen, dass der Kaufwert am Ende der Laufzeit bei ca. 75 Prozent liegen wird. Vorausgesetzt die Inflation steigt nicht weiter. Aber diese Gefahr ist groß.

Goldengagements wie eine Aktie mit Performancekriterien zu entscheiden, ist der falsche Ansatz. Gold ist eine Versicherung gegen Kapitalmarktkrisen, verbunden mit der Hoffnung, dass man sie nicht benötigt. Wer eine Feuerversicherung für sein Haus abgeschlossen hat, sagt nach einem Monat auch nicht: „Das Geld habe ich umsonst ausgegeben, die Hütte ist immer noch nicht abgebrannt“. Der ehrliche Bürger hofft, sie nie zu brauchen.

Gold ist auch noch nie gestiegen, weil es einen Krisenherd gibt, sondern erst dann, wenn die Krise ausgebrochen ist. Derzeit herrscht aber die Meinung, die Notenbanken werden es schon richten. Außerdem läuft die Wirtschaft bestens. Und so gewöhnt sich der Anleger an stabile Börsen. Er tut so, als könnte sich 1986, 1998, 2000 oder 2008 nie wiederholen. Dabei sollte man damit rechnen, dass aufgrund der hohen Geldvolumen und des irrsinnig hohen Derivatemarktes die Schwankungen wesentlich höher sein werden.

Viele argumentieren, dass selbst der Wirtschaftskrieg, den die USA gerade führt, keine Kursstimmulanz für das Gold war. Warum auch? Selbst wenn die Zölle sich weiter erhöhen sollten, rechnen Analysten, dass höchstens Waren im Wert von 700 Mrd. betroffen sein werden. Das ist ein Prozent des Welthandels. Mit anderen Worten: Es gibt schlimmeres.

Auch wenn es eigentlich völlig gleich ist, zu welchem Kurs der Anleger Gold gekauft hat, kann das Timing derzeit ideal sein. Es könnte sich sogar „der perfekte Sturm“ zusammenbrauen. Wie oben erwähnt, hat kaum jemand einen nennenswerten Goldanteil. Andererseits sind wir in der nachfragestärksten Zeit (Saisonalität) von September bis Februar. Trotzdem herrscht am Markt die negativste Stimmung seit über 20 Jahren. Daher gibt es auch die höchsten Short-Positionen aller Zeiten, die von der Commerzbank als „beispiellos“ kommentiert werden.

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