„Für Edelmetalle ist das der perfekte Sturm“

Andreas Kern, Gründer und CEO der wikifolio Financial Technologies AG / Foto: © Martina Draper

Ist Gold ein gutes Investment? Bei dieser Frage scheiden sich die Geister. Die Mehrheit der wikifolio.com Trader findet, dass es sich lediglich in kleinen Teilen als Beimischung im Depot eignet. Andere meiden es ganz und gar. Schließlich wirft es keine Zinsen ab und auch der Preis ist viele Jahre nicht gestiegen. Bis 2019.

Seit Anfang/Mitte letzten Jahres wird Gold immer teurer, die Pandemie hat den Trend noch verstärkt. Kürzlich übersprang eine Feinunze Gold die Marke von 2.000 Dollar. Summa summarum steht auf Jahressicht ein Plus von fast 40 Prozent zu Buche. Der Silberpreis ist im Windschatten von Gold im gleichen Zeitraum sogar um 60 Prozent gestiegen.

Wer in Aktien investiert, hätte einzig mit Technologie-Titeln ähnlich gut verdient. Der Rest des Aktienmarktes leidet nach wie vor unter der Corona-Krise und der Rezession und spielt so den sicheren Häfen in die Hände.

Billiges Geld als Preistreiber

„Für Edelmetalle ist die aktuelle Situation an den Kapitalmärkten der perfekte Sturm“, erklärt Torsten Dennin, Leiter der Vermögensverwaltung von Asset Management Switzerland. Eine Reihe von Faktoren sorgen laut dem Kapitalmarktexperten für steigende Preise: „Niedrige Zinsen, ein schwacher US-Dollar, die Unsicherheit bezüglich Covid-19 und der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung und die sprunghaft steigenden Schulden.“

Seit Erstellung ihres wikifolios im Juli 2019 setzen die Experten auf Xetra-Gold. Mit einem Anteil von 15 Prozent ist der mit physischem Gold hinterlegte ETC der Deutschen Börse absolutes Schwergewicht im Depot. Es folgen ein Goldminen-ETF sowie ein Silber-ETC. Das wikifolio hat dank dieser Ausrichtung die durch das Coronavirus verursachten Verluste mittlerweile wieder wettmachen können.

Ganz ohne ETFs kommt Thomas Dellmann in seinem wikifolio aus. Hier sind Silberminenbetreiber derzeit besonders prominent vertreten. Auf Jahressicht hat der Trader ein Plus von 57 Prozent geschafft und damit wie kaum jemand sonst die Edelmetall-Rallye für sich nutzen können. Auch er sieht die Notenbanken ursächlich für den Preisanstieg bei Gold: „Da sind insbesondere die weiter expansive Geldpolitik bzw. der Ausblick der Notenbanken zu nennen, der darauf schließen lässt, dass diese noch für eine längere Zeit Bestand haben wird.“ Silber sei im Verhältnis zu Gold einfach historisch viel zu günstig gewesen – ablesbar an der Gold-Silber-Ratio: „Deshalb hatte es Nachholbedarf.“

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