FNG kritisiert EU

Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) / Foto: © FNG

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) kritisiert die vergangene Woche vom Europaparlament beschlossene Taxonomie nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten. Hierbei blieben zwei wesentliche Nachhaltigkeitsfaktoren unberücksichtigt. Das könnte erhebliche Folgen für den Markt haben.

Um Anlegern das Investieren in grüne Finanzprodukte zu erleichtern, hat das Europäische Parlament am vergangenen Donnerstag eine Taxonomie nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten beschlossen. Es ist eines von vier Gesetzespaketen der Europäischen Kommission zur Umsetzung des EU-Aktionsplans Finanzierung Nachhaltiges Wachstum, der durch einige Maßnahmen zur Förderung Nachhaltiger Geldanlagen zur Erreichung der EU-Klimaziele beitragen soll.

Das FNG begrüßt zwar den EU-Aktionsplan Finanzierung Nachhaltiges Wachstum, von dem zahlreiche Impulse für das Wachstum, die Transparenz und die Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen ausgehen. Es bemängelt zugleich aber, dass nur die ökologische Komponente dabei berücksichtigt wird. Im Einklag mit den globalen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen (SDGs) umfasst Nachhaltigkeit jedoch neben der Umwelt-Dimension noch soziale und Governance-Dimensionen. Die neue Taxonomie bezieht sich jedoch rein auf die Umweltdimension und in diesem Rahmen nur auf sechs Umweltziele, zeitlich vorrangig Klimaziele. Die soziale Dimension bleibt hingegen auf die UN-Menschenrechtsstandards beschränkt (hierbei räumt das FNG ein, dass dies immerhin ein ambitionierterer Standard sei als die ILO-Kernarbeitsnormen) und soll erst in einem späteren Schritt angegangen werden. Da es noch keinen konkreten Zeitplan hierzu gibt, ist es noch unklar, wann genau. Laut FNG wird aufgrund der Wechselwirkungen zwischen den Dimensionen, in Deutschland werde das beispielsweise aktuell mit dem Kohleausstieg deutlich, das schrittweise Vorgehen der Europäischen Kommission bei der Erstellung der Taxonomie schwierig.

Verzerrt neue Taxonomie Wettbewerb?

Laut dem FNG-Marktbericht 2018, in dem alle drei Säulen der Nachhaltigkeit abgebildet werden, erwarten die Marktteilnehmer in der DACH-Region, dass der Markt für nachhaltige Geldanlagen um 15- 30 % wachsen wird. Als Gründe hierfür werden die bevorstehende Regulierung und eine erhöhte Nachfrage seitens institutioneller Investoren angegeben. Um diese Finanzströme breitenwirksame in Nachhaltige Geldanlagen umzulenken, dürfe laut FNG die Taxonomie nicht nur für als nachhaltige bezeichnete Finanzprodukte gelten, sondern müsse für die gesamte Breite von Investments anwendbar sein. Wenn es zu einer einseitigen Regulierung eines Marktsegments komme, würden den Vorreitern auf dem Gebiet der Nachhaltigen Geldanlagen Wettbewerbsnachteile entstehen.

„Ein alleiniger Fokus auf die EU-Klimaziele wird dem Nachhaltigkeitsthema nicht gerecht und kann sogar kontraproduktiv zu den Zielen des EU-Aktionsplans sein, weil damit wichtige soziale Aspekte wie Respekt vor Arbeits- und Menschenrechten sowie die Governance der investierten Unternehmen nicht berücksichtigt werden“, kritisiert Volker Weber, Vorstandsvorsitzender des FNG. (ahu)

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