Fest im Sattel?

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Die US-Präsidentschaftswahl im Späterbst wirft ihre Schatten voraus. Mister President, Donald Trump, wird wohl alles in die Waagschale werfen, um erneut Herr im Weißen Haus zu bleiben. Und die Vorzeichen sind nicht schlecht. Der Wirtschaft in den USA geht es vergleichsweise gut. Trump ist Meister der Inszenierung, das dürfte ihm zusätzlich Rückenwind verleihen. Und die Wirtschaftsbosse fürchten nichts weniger als einen Sieg des linksgerichteten Demokraten Bernie Sanders.

(Anmerkung voweg: Der Text enstand Anfang März)

Donald Trump, der 45. Präsident der USA, steuert zielgerichtet auf eine zweite Amtszeit zu. Sein unbändiger Drang zur Macht ist allgegenwärtig. Er liebt die große Show. Der Besuch beim indischen Premier Modi – ein Riesenspektakel. Trump lächelt einfach alles weg. Erinnern wir uns – im vergangenen Jahr stand dieser Männerfreundschaft unter einem schlechten Stern. Trump strich im Sommer die Sondervergünstigungen für Indien, zuvor hatte das Land einige Waren zollfrei in die Vereinigten Staaten liefern können. Modi verhängte im Gegenzug Strafzölle auf einige US-Waren. Sozusagen Schnee von gestern.

USA stehen vergleichsweise gut dar

Mit seiner Vision von „America first“ in Form von Steuersenkungen und Deregulierung hat er den USA sozusagen einen zweiten Frühling beschert. Besser gesagt, er hat mitunter dafür gesorgt, dass die Aufwärtsphase weiter anhält. Erwarteten vor einem Jahr in einer Umfrage unter US-Ökonomen immerhin noch in etwas mehr als 40 % eine Rezession im Jahr 2020, so ist diese Zahl auf 13 % gesunken. „Im Reigen der Industrieländer stechen die USA weiterhin positiv hervor. Auch wenn das für 2020 erwartete Wachstum in Höhe von 1,8 % nicht ganz an die Vorjahre heran reicht, profitiert die Wirtschaft weiterhin von einer extrem niedrigen Arbeitslosigkeit, dem hohen Verbrauchervertrauen und positiven Rückkopplungseffekten von den stark gestiegenen Aktienmärkten“, so Christian Schmitt, Portfoliomanager bei ETHENEA. Grundsätzlich positiv bezüglich der US-Wirtschaft zeigt sich auch Darrell Spence, Volkswirt bei Capital Group, verweist aber ergänzend darauf, dass die amerikanische Volkswirtschaft im vergangenen Jahr kein einheitliches Bild abgab. „Auf der einen Seite hat der US-amerikanische Industriesektor aufgrund des Handelskonfliktes mit China und angestiegener Lagerbestände geschwächelt. Auf der anderen Seite aber war die Binnenwirtschaft sehr konstant – insbesondere wegen des starken Konsumsektors“, sagt Experte Spence. Tatsächlich spielt(e) der Handelskonflikt und seine spürbaren Auswirkungen auf die Volkswirtschaften eine massive Bedeutung bei der Analyse. Erst Mitte Januar gab es eine teilweise Vereinbarung über die erste Phase in ihrem seit zwei Jahre laufenden Handelskrieg. Kern war die Zusage der Vereinigten Staaten, weitere Strafzölle nicht mehr zu verhängen. Doch zurück zu den Argumenten, die Trump immer wieder anführt. Im Gesamtjahr 2019 legte das US-BIP um 2,2 % zu – beispielsweise deutlich stärker als etwa in Deutschland, wo die Volkswirtschaft nur um 0,6 % wachsen konnte. Auch die Arbeitslosenquote verharrte mit 3,6 % auf sehr niedrigem Stand. Dieses positive Stimmungsbild spiegelte sich auch an den US-Börsen wider. Der US-Leitindex Dow Jones Industrials kratzte Mitte Februar an den 30.000 Punkten, ein nie zuvor gesehener Höchststand. Auch die Aktienrückkäufe erklommen vergangenes Jahr neue Höhen. Nach Angaben von JP Morgan gaben die 500 größten US-Unternehmen 2019 für Aktienrückkäufe und Dividenden 1,3 Bio. Dollar aus. Ein zusätzlicher Stimulus für die Börse und steigende Kurse. Und Trump hätte, für den Fall der Fälle, einen weiteren Köcher.

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