Erleben wir eine Verschwörung?

Foto: © rodjulian - stock.adobe.com

Der Showdown beginnt. Dieses Jahr soll es eine Entscheidung zum Provisionsdeckel in der Lebensversicherung (LV) geben. Kaum ein Thema wird so hitzig debattiert, denn viele Berater fürchten um ihre nackte Existenz. Nun lässt finanzwelt drei der führenden Maklerpools zu Wort kommen. Die Einschätzungen variieren überraschend deutlich und eine düstere These lässt aufhorchen.

Aus den Nachrichten kennen wir verworrene Konflikte mit unklaren Fronten, heimlichen Interessen und geschickten Ablenkungsmanövern. Nur meistens handelt es sich dann um komplexe Konfliktherde im Nahen Osten. Nun weht ein Hauch hiervon durch die Diskussion um den Provisionsdeckel im sonst so biederen Deutschland. Noch hat die Bundesregierung keine Entscheidung getroffen. Einen zeitlichen Anhaltspunkt gab Dr. Jörg Kukies, zuständiger Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, auf dem Versicherungstag 2018 des Versicherungsverbandes GDV. So sei anvisiert, dass im ersten Quartal 2019 ein von der Regierung abgestimmter Vorschlag verabschiedet werde.

Kommt er oderkommt er nicht?

Wie dieser Vorschlag ausfallen wird, lässt Kukies ebenfalls erahnen. Laut Staatssekretär soll ein gesetzlicher Provisionsdeckel tatsächlich kommen – zur weiteren Senkung der Abschlusskosten und zur Vermeidung von Fehlanreizen. Dies sagte er allerdings im September 2018. Inzwischen haben wir mit Annegret Kramp-Karrenbauer eine neue CDU-Chefin, die nun ihr mächtig gestiegenes politisches Gewicht in die Waagschale werfen könnte. Nur in welche Richtung? „Unserer Kenntnis nach richtet sich die CDU mehrheitlich klar gegen einen Provisionsdeckel“, erklärt Markus Kiener, geschäftsführender Gesellschafter der Fonds Finanz. „Da sich Frau Kramp-Karrenbauer bislang nicht explizit zu dem Thema geäußert hat, gehen wir davon aus, dass sie als Vorsitzende der Linie ihrer Partei folgt.“ So sicher ist sich Harry Kreis da nicht. Das Apella-Vorstandsmitglied glaubt, AKK werde alle Vor- und Nachteile eingehend abwägen. „Ein Schnellschuss zu diesem sensiblen Thema ist von ihr sicherlich nicht  zu erwarten“, prognostiziert Kreis. Erst werde sie sachkundige Meinungen einholen. An jenen sachkundigen Meinungen soll es ihr nicht mangeln. Kiener spricht sich entschieden gegen einen Provisionsdeckel aus, denn „das LVRG (Lebensversicherungsreformgesetz, Anm. d. Red.) hat grundsätzlich seinen Sinn und Zweck erfüllt.“ So haben laut der Fonds Finanz-Führungskraft die Versicherer die Abschlusskosten flächendeckend gesenkt, die Abschlussprovisionen reduziert und teilweise die Stornohaftungszeiten verlängert. Den Deckel hält er nicht nur für überflüssig, sondern gar für gefährlich kontraproduktiv: „Es kann weder im Interesse der Versicherer, noch im Interesse der Politik sein, Vermittler durch anhaltende Einnahmeausfälle zu schwächen.“ Für Kiener sind diese Interessen klar verteilt. „Versicherer wollen ihre Produkte verkaufen und deshalb den Vertrieb mittels hoher Beratungsqualität – die entsprechend entlohnt wird – stärken“, führt er aus. „Die Politik wiederum will weiterhin die Bevölkerung dazu anhalten, private Altersvorsorge zu betreiben.“ Harry Kreis hingegen fällt zum Provisionsdeckel auch ein Vorteil ein, nämlich die lang ersehnte Ruhe.

Was Kreis damit meint, lesen Sie auf Seite 2