Erklärungsbedürftig

Foto: © burdun - stock.adobe.com

Pensionsgelder werden noch immer viel zu wenig risikogerecht angelegt – das zeigt eine neue Studie. Und überhaupt hat die betriebliche Altersversorgung im Hinblick auf Garantien und Rendite noch Aufhol-, aber auch Aufklärungsbedarf. Und mehr wirkliche Initiative seitens der Politik. In jedem Fall sind nach wie vor umsichtige und hochprofessionelle Berater in der Pflicht.

Pensionsanleger haben ihre Anlagestrategie unter dem Druck des anhaltenden Niedrigzinsumfelds zwar angepasst, jedoch haben nur 71 % ihre Renditeziele im zurückliegenden Jahr erreicht (Vorjahr: 96 %), wie Willis Towers Watson in einer Studie vom Dezember 2019 zeigt. Regulierte Investoren allokieren ihre Pensionsvermögen zu 65 % in Anleihen, zu 10 % in Aktien und zu 25 % in Immobilien, Alternatives und Kasse. Unregulierte Investoren haben die Allokation in Anleihen zugunsten Alternativer Investments reduziert. Sie setzen zu 44 % auf Anleihen, zu 21 % in Aktien, zu 22 % in Alternatives sowie 14 % in Immobilien und Kasse. Dies ergibt die Studie „Pension Risk Management und Anlage von Pensionsvermögen 2019“ der Unternehmensberatung Willis Towers Watson. „Pensionsanleger verharren in alten Anlagemustern“, kommentiert Nigel Cresswell, Leiter Investmentconsulting bei Willis Towers Watson in Frankfurt, diese Entwicklung. „Die Empfehlung zur Reallokation in alternative, illiquide Anlageklassen, um dem anhaltenden Niedrigzinsumfeld zu begegnen, hat sich bei den Investoren weiterhin noch nicht umfassend durchgesetzt.“ Aktuell sehe man starke Zuflüsse nur in einzelnen Anlageklassen wie z. B. Private Equity, was auch hier schrumpfende Renditeniveaus zur Folge haben werde, und den Trend, in bestimmten Anlagemustern zu verharren. Pensions-Portfolios würden weiterhin von Anleihen dominiert. Mit dieser Portfolio-Struktur könnten die erforderlichen Renditen nicht erwirtschaftet werden, so Cresswell. Aber welches Mindestmaß an Garantie muss eine bAV heute erfüllen, um von den Arbeitnehmern akzeptiert zu werden?

Sicherheit nicht gleich Garantie

Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender von HDI Pensionsmanagement und im Vorstand der HDI Lebensversicherung AG für bAV, sagt: „Eine spannende Frage – speziell vor dem Hintergrund des Sozialpartnermodells. Der Gesetzgeber hat beim Sozialpartnermodell bewusst auf Garantien verzichtet, um Arbeitnehmern die Chance auf mehr Rendite – und damit auf mehr Rente – zu eröffnen. Mit diesem Gedanken tun sich manche Arbeitnehmer, die an das hohe Garantieniveau der bewährten bAV gewöhnt sind, erst einmal schwer.“ Sie sollten jedoch wissen: Sicherheit sei nicht gleichbedeutend mit Garantie, sondern könne auch mit anderen Instrumenten hergestellt werden. Ein wichtiges Sicherheitsinstrument bei „Die Deutsche Betriebsrente“, der Konsortiallösung für das Sozialpartnermodell von Talanx und Zurich, sei die kollektive Kapitalanlage und eine intelligente Produktgestaltung. Das Modell sei mit Glättungsmechanismen ausgestattet, die dafür sorgten, dass die Zielrenten der Arbeitnehmer auch bei Bewegungen am Kapitalmarkt berechenbar blieben. Dr. Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH und Generalbevollmächtigte für die bAV der Stuttgarter Lebensversicherung a. G., lenkt den Blick auf einen weiteren Aspekt: „Das kommt auf die jeweiligen Personen an. Schon heute gibt es verschiedene Risikoneigungen innerhalb der Belegschaften. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Kommunikation.“ Wenn die beschäftigte Person gut informiert werde und eine zu ihrem Risikoprofil passende Vorsorgelösung auswählen könne, profitieren alle Seiten: Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Berater.

weiter auf Seite 2