Eine Soap der Notenbanken

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH / Foto: © I.C.M.

Die Industrieländer leben seit Jahren über ihre Verhältnisse. Dies bedeutet: Sie finanzieren den Lebensstandard mit der Erhöhung von Schulden. Seit der Finanzkrise 2008 mit exorbitanten Wachstumsraten (deutlich über dem Wirtschaftswachstum), und das sogar mit Hilfe der Notenbanken. Deren Ankaufprogramme für Wertpapiere haben die Zinsen in Richtung Null manipuliert und somit den Zins als Bonitäts -Seismograph außer Kraft gesetzt.

Die BIZ spricht schon wiederholt Warnungen aus, Volkswirte wie zum Beispiel Prof. Hans-Werner Sinn sprechen sogar von der nächsten, noch größeren Finanzkrise. Davor warnen in der „Welt“ auch 18 Wirtschafts-Nobelpreisträger. Selbst Fachleute wie Dr. Bert Flossbach sprechen von der „Zombifizierung“ der Märkte, das heißt es werden Staaten und Unternehmen über Wasser gehalten, die eigentlich pleite sind. Mit riesigem „Knalleffekt“-Potential. Draghi und Co. könnten als größte Geldvernichter aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen.

Viele westliche Staaten, aber alle wichtigsten, haben eine Verschuldung von 100 Prozent ihres BIP überschritten: USA, Japan, die Eurostaaten, Großbritannien, China. Und kein Ende in Sicht. Da dieser Irrsinn dank niedrigen Zinsen und mit Hilfe der Notenbanken „funktioniert“, sind die notwendigen Reformen in die Zukunft verschoben worden. Aber der Krug geht nur so lange zum Brunnen bis er bricht. Obwohl klar ist, dass unser Wirtschaftssystem auf Schulden machen ausgelegt ist, ist die Kritik an der Höhe des Schuldenberges angebracht. Denn nach Verschuldung kommt die Überschuldung und dann…?

Die Politik redet alles schön. Es geht uns doch gut. Was wollen diese doofen Systemkritiker und Verschwörungstheoretiker. Die Notenbanken schaffen jetzt die Zinswende und „sammeln“ dann das Geld wieder ein. Die Ergebnisse von Jackson Hole sprechen aber eine andere Sprache. Doch die Presse jubelt: Griechenland bekommt am Kapitalmarkt wieder Geld. Kaum die Einschränkung, dass ohne die EZB gar nichts ginge. Kaum ein Wort über den Aufkaufwahn der EZB. Haben die Journalisten das Denken und das Rechnen verlernt? Oder ist die Mainstream-Kritik gerechtfertigt?

Wie soll denn diese Zinswende finanziert werden? Sind die „Problemländer“ in der Lage zwei bis drei Prozent höhere Kreditzinsen (erst dann könnte man von Zinswende reden) zu verkraften? Griechenland, Japan, Italien, Portugal, sogar Frankreich …? – nie und nimmer. Selbst die USA müsste, bei derzeit etwa 20 Billionen Schulden, pro ein Prozent Kreditverteuerung 200 Mrd. US-Dollar mehr berappen (über noch höhere Schulden finanzieren). Das aktuelle Haushaltsdefizit würde sich bei drei Prozent höheren Zinsen in etwa verdoppeln. Trotz Niedrigzinsphase steigen dort Zinsausgaben relativ sowohl zu den Steuereinnahmen als auch zum BIP.

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