„Eibuidung machd d Leid narrisch!“

Philip Wenzel, Prokurist freche Versicherungsmakler GmbH & Co. KG / Foto: © freche Versicherungsmakler

Warum Kammerberufe in der Beratung zur Arbeitskraftabsicherung zwar durchaus interessant sind, aber auch nicht ganz einfach, weiß Philip Wenzel, von freche versicherungsmakler. Und er kennt auch Wege, wie Kammerberufe trotzdem gut zu versichern sind.

Fragt man Versicherungsvermittler nach der Wunsch-Zielgruppe, wird der Arzt und der Anwalt sicherlich das eine oder andere Mal fallen. Denn die klassischen Kammerberufe Arzt, Anwalt, Notar und Steuerberater sind in der Regel eher an hochwertigem Versicherungsschutz interessiert und haben normalerweise weniger Probleme mit der Finanzierung einer Altersversorgung oder der Absicherung des Einkommens. Auf der anderen Seite sind Akademiker nicht immer einfach in der Beratung. Der Grat zwischen Bildung und Einbildung ist schmal und meine niederbayerische Oma pflegte zu sagen: Eibuidung machd d Leid narrisch! (Einbildung macht die Leute verrückt!). So passiert es immer wieder, dass Akademiker ihre fachliche Kompetenz auch in anderen, fachfremden Gebieten vermuten, was dazu führt, dass ich in der Beratung auf viel Meinung, aber wenig Ahnung treffe. Ein häufiger Fehler ist die Annahme, dass das jeweilige Versorgungswerk für die Altersversorgung und auch im Falle einer Berufsunfähigkeit aufkäme. Wenn ich als Vermittler auf diesen Fehler treffe, ist Hintergrundwissen hilfreich. Weil ich aus Bayern bin, werde ich auch die entsprechenden Versorgungswerke zitieren. Und hier liegt auch schon die erste Hürde einer umfassenden Spezialisierung: Jedes Bundesland hat ein eigenes Versorgungswerk.

Die Versorgungswerke

Kammerberufe sind Ärzte, Apotheker, Architekten, Notare, Anwälte, Steuerberater, Tierärzte, Wirtschaftsprüfer, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten. Das sind die klassischen Kammerberufe. Außerdem sind Schauspieler, Musiker und Schornsteinfeger in Versorgungswerken organisiert. Darüber hinaus gibt es noch ein Versorgungswerk des Bayerischen Landtags. Oft sind verschiedene Berufe in ein Versorgungswerk gefasst. In Bayern sind z. B. Ingenieure und Psychotherapeuten oder Steuerberater und Rechtsanwälte über ein Versorgungswerk organisiert. Nach einer Erhebung aus dem Jahr 2016 gibt es rund 950.000 Mitglieder in den Versorgungswerken und davon ca. 220.000 Rentner. Die Versorgungswerke sind nach dem offenen Deckungsplanverfahren finanziert. Das bedeutet, dass es grundsätzlich kapitalgedeckt ist, aber zukünftige Beiträge mit einrechnet. Es ist also nicht umlagefinanziert, aber durch die Einbeziehung zukünftiger Beiträge durchaus auch von der demografischen Entwicklung betroffen. Der große Vorteil des Versorgungswerkes ist die Bündelung wohlhabender Einzahler. Anders als in der Deutschen Rentenversicherung gibt es keine Arbeitslosen oder Geringverdiener. Jährlich werden ca. 175 Mrd. Euro einbezahlt. Anders als in der gesetzlichen Rentenversicherung sind etwa 21 % in Aktien angelegt, was die Wirtschaftlichkeit der Anlage selbstverständlich enorm erhöht. 63 % sind aber Zinsanlagen, also Einlagen oder festverzinsliche Wertpapiere. 12 % sind Immobilien und 7 % Rohstoffe und andere Kapitalanlagen. Die durchschnittliche Altersrente liegt über 2.000 Euro. In der Deutschen Rentenversicherung liegen wir immer noch unter 1.000 Euro. Ein Nachteil des Versorgungswerkes ist aber gleich ein doppelter Beratungsansatz für den Vermittler und ein Vorteil für den Kammerberufler. Denn Mitglieder von Kammerberufen haben eine Lebenserwartung, die vier Jahre über dem Durchschnitt liegt. Für das Versorgungswerk ist das problematisch, weil die Renten dann vier Jahre länger gezahlt werden müssen.

Warum bei Kammerberufen zusätzlicher Beratungsbedarf besteht und welche Probleme bei der Berufsfunfähigkeit lauern, lesen Sie auf Seite 2