Droht die Digitalisierung an der Finanzierung zu scheitern?

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Deutschlands Wirtschaft kocht seit Wochen auf Sparflamme. Um wieder zu voller Leistung zu kommen, wird vor auf das Thema Digitalisierung gesetzt. Jedoch haben viele Unternehmen Probleme, die dafür notwendigen Mittel zu beschaffen.

Bereits bevor die Corona-Pandemie Deutschlands Wirtschaft größtenteils zum Stillstand brachte, fürchteten 59 % der mittelständischen Unternehmen hierzulande, dass sie bei der Finanzierung ihrer Digitalisierungs-Aktivitäten Probleme bekommen könnten. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass vielen Geldgebern die Offenheit gegenüber der Finanzierung immaterieller Güter wie Software, Lizenzen und Co. fehlt. Das geht aus dem „Finanzierungsmonitor 2020“ hervor, für den der digitale Mittelstandsfinanzierer creditshelf gemeinsam mit der TU Darmstadt mehr als 200 Finanzentscheider in mittelständischen Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen befragt hat. „Der Lockdown hat die Vorteile einer konsequenten und umfassenden Digitalisierung deutlich aufgezeigt: Eine Automatisierung und flexible Auslagerung ins Homeoffice hilft vielen Unternehmen dabei, die aktuelle Krise zu bewältigen“, hat Dr. Daniel Bartsch, Vorstand und Gründungspartner von creditshelf, erkannt. Viele der in den vergangenen Wochen gemachten Erfahrungen würden jetzt in einer Digitalisierungsoffensive münden. “Der Mittelstand wird nun aber gleich von zwei Seiten unter Druck gesetzt: Einerseits das Marktumfeld mit deutlich negativen Aussichten, andererseits stehen dennoch erhebliche Investitionen an. In diesem Spannungsfeld müssen die Unternehmen schnell innovative Finanzierungsalternativen finden, damit sie ihre Pläne reibungslos und zügig umsetzen können“, so Bartsch.

Laut Prof. Dr. Dirk Schiereck sind viele Hausbanken bei der Kreditvergabe für Digitalisierungsprojekte nach wie vor sehr zögerlich. „Schon vor der Pandemie hatten neun von zehn Unternehmen erklärt, dass die Digitalisierung eine große Bedeutung für ihre Investitionsplanungen habe. Gleichzeitig glaubt aber auch jedes dritte Unternehmen, dass klassische Banken Finanzierungen immaterieller Vermögenswerte weniger bzw. gar nicht offen gegenüberstehen“, erklärt der Leiter des Fachgebiets Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt, der den Finanzierungsmonitor seit der ersten Auflage im Jahr 2016 wissenschaftlich begleitet. Aus den beschriebenen Gründen befürchten 59 % der befragten Unternehmen, dass der Faktor Finanzierung sich als Flaschenhals bei den Digitalisierungsplänen entpuppen könnte. „Wir müssen jetzt bereits den Blick auf die Zeit nach der Krise lenken. Der nächste Aufschwung kann nur mit breiter Unterstützung des Mittelstands gelingen, aber dafür muss auch der nötige Rückhalt von den Kreditpartnern gewährleistet sein“, so Finanzierungsexperte Bartsch.

Die gesamte Studie kann hier heruntergeladen werden. (ahu)