Die Zukunft der Finanzbranche in Europa

Michael Rentmeister, ehemaliger Vorstand von OVB und Bonnfinanz

Natürlich kommen in finanzwelt regelmäßig Unternehmerpersönlichkeiten zu Wort, die ihr Unternehmen darstellen. Diese Sichtweise wollen wir in Zukunft erweitern und „über den Tellerrand“ schauen. Und zwar mit Hilfe von Personen und Persönlichkeiten, die ein Unternehmen geführt und mittlerweile verlassen haben. Denn die Sichtweise und die Meinung zu aktuellen und wichtigen Themen der Branche können sich dann durchaus ändern. Und die Rücksichtnahme gegenüber unternehmensinternen Gremien und externen Organisationen nimmt erfahrungsgemäß ab. Wie es dann so schön heißt: man braucht kein Blatt mehr vor den Mund nehmen.

Diese Serie wollen wir mit einem Mann beginnen, der gleich zwei große Finanzdienstleister geführt hat, und zwar die Bonnfinanz AG und anschließend die OVB Holding AG. Michael Rentmeister ist jetzt Unternehmer und freier Berater und behauptet von sich, dass er kritischer als vorher seine Meinung äußern kann. Wir wollen daher mit unserer neuen Serie mit ihm als Interviewpartner beginnen und sehen, wie er den aktuellen Markt in Deutschland und Europa beurteilt und vor allem die Herausforderungen der Branche in Zukunft meistern würde.

finanzwelt: Herr Rentmeister, Sie waren lange Zeit Chef der Bonnfinanz und danach der OVB Holding, was machen Sie jetzt?

Michael Rentmeister: Ich kümmere mich um verschiedene unternehmerische Beteiligungen, die ich in meiner Zeit nach OVB eingegangen bin. Besonders wichtig ist mir aktuell die KMU Werk GmbH. Hier beschäftigen wir uns mit der Förderung unternehmerischer Motivation und Kompetenz. Einige Unternehmen haben sich außerdem gewünscht, dass ich sie im Rahmen von Aufsichtsrats-, Beirats- oder klassischen Beratungsmandaten begleite.

finanzwelt: Wenn Sie zurückblicken, würden Sie etwas anders machen, wenn Sie nochmals am Drücker der beiden Unternehmen sitzen würden?

Rentmeister: Die wichtigsten Themen würde ich mit noch mehr Nachdruck und noch höherer Konsequenz durchsetzen und weniger Rücksicht auf die Bewahrer nehmen, die in allen Unternehmen und Branchen zu finden sind. Veränderungsprozesse sind immer für diejenigen schmerzhaft, die sich keine Welt vorstellen können, in der sie selbst nicht mehr vorkommen oder die zu erreichen zu unbequem ist. Speziell in der Finanzdienstleistungsbranche herrscht eine überproportionale Risikoaversion zulasten unternehmerischer Denkweisen. Meist wird dies mit dem Deckmantel irgendwelcher regulatorischer Veränderungen oder anderer Beschränkungen argumentiert. Konkret würde ich für völlige Transparenz und Nachvollziehbarkeit sorgen und dazu die Finanzberatung auf Basis der DIN 77230 konsequent und uneingeschränkt umsetzen.

finanzwelt: Wollten Sie mehr als Ihren „Fünf-Jahres-Vertrag abarbeiten“ und wer oder was hat Sie daran gehindert?

Rentmeister: Grundsätzlich bringe ich das, was ich angefangen habe, sehr gerne zu Ende. Dies gilt für alle beruflichen Aufgaben, die ich in den vergangenen 35 Jahren übernommen habe. Die Unternehmen, die ich geleitet habe, standen bei meinem Ausscheiden immer deutlich besser da, als bei meiner Amtsübernahme und die Aussichten waren gut. Deshalb kann ich sagen: Mission erfüllt. An dieser Stelle darf ich in aller Bescheidenheit erwähnen, dass ich für meine unternehmerischen Leistungen in 2015 auch mit dem European CEO-Award als bester CEO für den Bereich Financial Services Brokerage ausgezeichnet worden bin.

Welches Thema die Finanzdienstleistungsbranche derzeit am meisten bewegt, lesen Sie auf Seite 2