Die neuen digitalen Geschäftsmodelle zeigen Erfolg

Simon Kaesler, Partner von McKinsey / Foto: © DIA

In einem Interview, das DIA im vergangenen Monat mit Jörg Mußhoff von McKinsey geführt hat, zeichnete dieser ein optimistisches Bild von der digitalen Transformation in der Versicherungsindustrie. Wir haben dieses Gespräch als Ausgangspunkt genommen, um mit Simon Kaesler, Partner von McKinsey, über die neuen digitalen Geschäftsmodelle und die weitere Entwicklung in der Versicherungsindustrie zu sprechen.

Wir erleben bei der DIA so viele Insurtechs auf der Bühne, von denen jedes seine eigenen charakteristischen Produkte und Geschäftsmodelle hat, gepaart mit einem hohen Maß an Innovation. Wie sehen Sie die wachsende Insurtech-Landschaft?

Simon: „Es ist spannend, die Entwicklung im Verlauf der Jahre zu verfolgen. Seit 2012 wurden mehr als 10 Milliarden Dollar in Insurtech investiert; das ist eine beachtliche Summe. Abgesehen von der beeindruckenden Größenordnung dieser Investitionen haben wir drei Haupttrends beobachtet: Diversifikation, eine Professionalisierung und Kollaboration. Die Diversifizierung macht deutlich, dass Insurtechs nicht mehr länger ausschließlich auf das P&C-Geschäft und den Vertrieb fokussieren (wie es anfangs der Fall war), sondern vermehrt digitale Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Geschäftsbereiche und über alle Geschäftsbereiche hinweg entwickeln. Das bedeutet, dass es inzwischen wesentlich mehr Bereiche gibt, in denen digitale Technologien eine Rolle spielen.

Der zweite Trend, die Professionalisierung, ist etwas, das mit der Unternehmensreife einhergeht. Um sich in dem hoch komplexen und stark regulierten Versicherungsmarkt behaupten zu können, müssen Insurtechs beweisen, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht haben. Innovation braucht Leute, die aufrütteln und Dinge in Bewegung bringen, aber auch Geduld und eine solide Go-to-Market-Strategie.

Und das bringt uns zum dritten Trend: Kollaboration. Zwar haben Insurtechs als sogenannte digitale Angreifer begonnen, indem sie darauf abzielten, die traditionelle Versicherungsindustrie umzukrempeln, aber inzwischen erkennen sie, dass sie kollaborieren müssen, wenn sie überleben wollen. Derzeit versuchen nur 10 Prozent der Insurtechs, das gesamte Geschäftsmodell der Versicherungsbranche zu revolutionieren. Fast zwei Drittel konzentrieren sich auf bestimmte Segmente der Wertschöpfungskette und wollen sich auf sinnvolle Weise mit etablierten Versicherungsunternehmen integrieren. Die Frage lautet nicht länger „Insurtechs oder traditionelle Versicherer“, sondern wie beide am besten zusammenarbeiten können, um echten Mehrwert für Kunden zu erzielen.

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