Die Börse als Jahrmarkt

Markus Merkel / Foto: © Steinbeis & Häcker Vermögensverwaltung GmbH

„Die nächste Fahrt geht rückwärts“ so oder ähnlich lauten die Ansprachen an die Besucher der Fahrgeschäfte auf dem Münchner Frühlingsfest in diesen Tagen. Sind Börsengänge von ambitioniert bewerteten Technologie-Unternehmen wie der des US-Fahrdienstleisters Uber Technologies also bereits Vorboten der nächsten Baisse oder stellen Börsengänge auch im gegenwärtigen reifen Marktumfeld eine verheißungsvolle Performance-Chance dar?

Börsengang Uber Technologies: „Einer geht noch…“

Bei Uber Technologies handelt es sich um eines der zahlreichen disruptiven Geschäftsmodelle, welche die Karten in althergebrachten Branchen kategorial neu mischen können. So wie Amazon Bücher (u.a.m.) verkauft, ohne eine Buchhandlung zu sein, Airbnb Unterkünfte vermittelt ohne Immobilien-Bestandshalter zu sein, so offeriert Uber Technologies Fahrdienstleistungen, ohne über einen eigenen Fuhrpark zu verfügen.

Dies mag perspektivisch durchaus von erheblichem unternehmerischem Erfolg gekrönt und eine frühzeitige Teilhabe am Unternehmen kann mit hohen Renditen verbunden sein. Der Börsengang am 10. Mai diesen Jahres darf jedoch getrost als Flopp bezeichnet werden. Der Kurs des Börsenneulings fiel am ersten Handelstag von einem Ausgabepreis von 45 USD auf deutlich unter 42 USD – ein deutliches Minus. Dies mag insbesondere für diejenigen Kunden ärgerlich sein, die im Rahmen eines Private Placements vor einigen Jahren Anteile zeichneten und nun in einer halbjährigen Lock-up–Periode gebunden sind.

Timing, Bewertung und Geschäftsmodell haben letztlich nicht in einem ausgewogenen Verhältnis zueinandergestanden. Angesichts einer Marktkapitalisierung von über 60 Milliarden USD, Quartalsverlusten von einer Milliarde USD und seit drei Quartalen stagnierenden Nettomusätzen, ist die Börse mustergültig ihrer Korrektivfunktion gerecht geworden. Hinzu kommen noch von der Regulierung ausgehende Risiken und steigende Kosten für die Fahrer. In Summe ist eine seriöse Bewertung des Geschäftsmodells somit kaum möglich. Es ist daher gut, dass der Emissions-Prospekt ausdrücklich von der Möglichkeit spricht, dass das Unternehmen womöglich niemals Geld verdienen könnte.

Es mag somit der Eindruck entstehen, dass Börsengänge phantasiereicher Technologieunternehmen wie zuletzt Lyft, Pinterest und eben Uber Technologies von interessierten Kreisen noch rechtzeitig über die Bühne gebracht werden sollen, ehe sich das Gesamtumfeld für Börsengänge im Zuge einer fortschreitenden wirtschaftlichen Spätzyklik noch weiter eintrübt.

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