Die Befreiung des Devisenhandels

Massimo Di Santo (li.) und Luca Strehler (re.), Gründer von Levestor / Foto: © Levestor

Massimo di Santo hat knapp 20 Jahre als Devisenbroker in Deutschland und England gearbeitet. „Devisenhandel als Produkt bietet unzählige Vorteile. Allerdings habe ich die Gier vieler Broker und den arroganten Umgang mit den Kunden nicht mehr ertragen“, sagt di Santo. Seine Idee: Den Devisenhandel transparenter, digitaler und fairer machen. Im Lauf der vergangenen Jahre hat er zusammen mit dem früheren Strenesse-Vorstand Luca Strehle, mit dem er längst befreundet ist, das Unternehmen Levestor (www.levestor.de) entwickelt. Di Santo und Strehle haben gemeinsam ein Team interdisziplinärer und internationaler Wissenschaftler für ihre Vision gewinnen können – einen vollautomatisierten Devisenhandel auf Basis von Algorithmen und künstlicher Intelligenz. So viel Tech in dem Münchner Fin steckt, so stark ist menschliche DNA. Denn ob Kreativität, Vertrauen oder die Idee selbst: Am Anfang jedes Algorithmus steht der Mensch. finanzwelt sprach mit den beiden Gründern in ihrem Münchner Büro im Schlachthofviertel.

finanzwelt: Herr Strehle, vielen ist Ihr Name von der Strenesse AG bekannt, die Sie zuletzt als Vorstandsvorsitzender von 2012 bis 2015 durch eine schwierige Zeit geführt haben. Warum jetzt Fintech statt Fashion?

Strehle: Nachdem ich bei Strenesse ausgeschieden bin, habe ich mich mit einer Beratungsboutique für den M&A- und Private Equity-Sektor selbstständig gemacht. Damals habe ich festgestellt, dass mich der Bereich Finanzen reizt. Damit war der Schritt in Richtung Fintech ziemlich logisch. Als ich vor einigen Jahren auf Massimo di Santo getroffen bin, der bereits seit 18 Jahren im Devisenhandel tätig ist, haben wir beschlossen, Levestor zu gründen. Es war eine Mischung aus der Idee selbst und auch die menschliche Komponente. Mir hat gefallen, wie Massimo die Funktionsweise des Marktes erkannt hat – aber gleichzeitig kritisch über Auswüchse in der Finanzbranche und gesellschaftliche Verwerfungen durch Ungleichheit spricht. Anstatt das Produkt Devisen zu verteufeln, das im Kern nämlich positiv oder zumindest neutral ist – anders als Rohstoffspekulationen und Investments in kritische Branchen – haben wir überlegt, wie wir die Vorteile des Devisenhandels besser nutzbar machen können. Unser Antrieb ist die Leidenschaft für diesen Ansatz. Und hier schließt sich der Kreis von Fashion zu Fintech. Der Schlüssel ist und bleibt die Leidenschaft.

finanzwelt: Wie funktioniert Levestor?

Strehle: Vielleicht noch einige Worte zum  Markt, bevor wir zum Produkt kommen. Nachdem bisher vor allem Institutionelle täglich rund 5.000 Mrd. US-Dollar im Devisenhandel  bewegen, wollen wir die Anlageklasse für Privatanleger in Deutschland öffnen. Das ist neu, weil diese Assetklasse bisher einem elitären Zirkel der Hochfinanz vorbehalten war.

finanzwelt: Darum Ihr Credo „Liberté. Devisé, Rendité?

Di Santo: Wir sehen mit unserem Ansatz die Chance für einen Umbruch. Für uns ist der Levestor-Ansatz in zweierlei Hinsicht eine Revolution. Erstens in Bezug auf das Handelssystem selbst, zweitens in Bezug auf die potenziellen Anleger. Warum? Der tägliche Handelsumsatz an den weltweiten Devisenmärkten hat sich von 1995 bis heute von rund 1.200 Mrd. US-Dollar auf heute gut 5.000 Mrd. US-Dollar etwa vervierfacht. Dennoch profitieren nur wenige Investoren von dieser nicht manipulierbaren, transparenten und hochliquiden Anlageklasse. Warum? Für Investoren ist ein hoher Kapitalbedarf der Schlüssel zu Rendite und zu langfristigem Erfolg. Privatinvestoren haben bisher zugesehen oder sich mit eigenen Trades die Finger verbrannt, weil es ihnen an Wissen, Hartnäckigkeit und neutralen Entscheidungen mangelt. Unser Ziel ist es jetzt, den Devisenhandel auch für Privatanleger zu öffnen. Sie können ab 10.000 Euro einsteigen.

Strehle: Die zweite Revolution ist der Code selbst. Unser vollautomatisiertes Handelssystem vollzieht Trades basierend auf der fortlaufenden Analyse von Daten und Fakten automatisch. Es schließt damit emotionale Fehlentscheidungen aus, wie sie sonst üblich sind, wenn Menschen handeln. Das System begrenzt die Verluste in den einzelnen Positionen automatisch und realisiert Gewinne eigenständig. Der Handel unterliegt dabei einer technisch programmierten und automatisch greifenden Stop-Loss-Risikobegrenzung und lässt sich vom Anleger in Echtzeit beobachten.

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