Deutsche unzureichend auf BU vorbereitet

Maike Gruhn, Leiterin Produkt- und Innovationsmanagement bei der Gothaer / Foto: © Gothaer

Die Deutschen sind sich der Risiken bezüglich Berufsunfähigkeit bewusst. Dennoch besteht nach wie vor eine deutliche Versorgungslücke – vielleicht auch, weil auf das Beratungsgespräch nicht besonders viel Wert gelegt wird.

Das wichtigste Gut jedes Arbeitnehmers ist seine Arbeitskraft, die deshalb entsprechend versichert sein sollte. Aus diesem Anlass haben die Gothaer und das F.A.Z-Institut ca. 1.000 Berufstätige zum Thema Berufsunfähigkeit befragt.

Vielfältige Risiken

Die Umfrage zeigt, dass den deutschen Arbeitnehmern bewusst ist, dass Berufsunfähigkeit nicht nur so plötzlich z.B. als Folge eines Unfalls, kommen kann, sondern dieser auch ein schleichender Prozess zugrunde liegen kann. So sehen 43,2 % der Befragten eine dauerhafte ungesunde Körperhaltung als größtes Risiko für den Verlust der eigenen Arbeitskraft an. Besonders das lange Sitzen am Computer wird als riskant angesehen: Fast jeder zweite Büroangestellte (49,4 %) bezeichnet eine ungesunde Körperhaltung als größtes BU-Risiko. Auch Menschen, die einer wissenschaftlichen, unterrichtenden oder beratenden Tätigkeit nachsehen, sehen mit 45,2 % die dauerhafte, ungesunde Körperhaltung leicht überdurchschnittlich oft als größtes BU-Risiko an.

Am zweithäufigsten 36,1 % nannten die Befragten Überforderung durch hohen Leistungsdruck als mögliche BU-Ursache. Überdurchschnittlich häufig antworteten Befragte aus den Bereichen Wissenschaft, Unterricht und Beratung (46,8 %) und in medizinischen Berufen tätige (41,5 %) so. Der gefühlte Leistungsdruck steigt dabei mit dem Einkommen. Die Überforderung durch hohen Leistungsdruck dürfte vor allem psychische Erkrankungen auslösen. „Psychische Erkrankungen sieht jeder zweite Berufstätige als Risiko, seinen bisherigen Beruf nicht mehr ausüben zu können – das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen. Diese Sorge müssen wir als Versicherer ernst nehmen. Hier sind wir gefragt, nicht erst im Leistungsfall tätig zu werden, sondern auch schon im Sinne von Prävention unseren Kunden Angebote zu machen“, erklärt Maike Gruhn, Leiterin Produkt- und Innovationsmanagement bei der Gothaer. Vor psychischen Erkrankungen, die eine Berufsunfähigkeit nach sich ziehen, fürchten sich vor allem Beschäftigte aus den Bereichen Wissenschaft, Unterricht, Beratung sowie in medizinischen Berufe tätige.

Während bei psychischen Erkrankungen und Erkrankungen durch eine ungesunde Körperhaltung die berufsunfähigkeitsauslösenden Probleme meist langsam und über einen längere Zeitraum hinweg kommen, sieht es bei einem Unfall ganz anders aus: Aufgrund der Verletzungen kann man vom einem auf den anderen Tag seinen Beruf nicht mehr ausüben. Vor dieser Situation fürchten sich 47,3 % der Befragten. Diese Gefahr wird besonders im produzierenden Gewerbe gesehen, wo 65,3 % der Befragten so antworteten. Als weitere BU-Auslöser nannten die Befragten Nervenerkrankungen (44,7 %) und Erkrankungen im Skelett- und Muskelbereich (43,8 %).

Ohne Grundfähigkeiten keine Arbeitskraft

Zu den wichtigsten Grundfähigkeiten, den Beruf ausüben zu können, zählen die Befragten gutes Sehvermögen und einen klaren Verstand. So sehen sich 65,4 % von ihnen außerstande arbeiten zu können, wenn sie nicht mehr oder kaum noch sehen. Nur etwas weniger (64,5 %) glauben, dass sie nicht mehr arbeitsfähig sind, wenn sie nicht mehr klar denken können. Ebenfalls als sehr wichtig werden die Fähigkeiten zu sprechen (54,9 %) und zu hören (49,9 %) angesehen. Welche Grundfähigkeiten wichtig sind, hängt natürlich auch davon ab, welcher Beruf ausgeübt wird. So sehen Mediziner und Handwerker besonders ihre Greiffähigkeit als wichtig an. Über die Bedeutung der Grundfähigkeiten gibt es auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern: So sehen Frauen den Verlust von Grundfähigkeiten als schwerwiegender an als Männer.

wie gut die Absicherung gegen BU ist und worauf die Deutschen dabei Wert legen, lesen Sie auf Seite 2