Das steckt hinter der aktuellen Bitcoin-Rally

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Steht ein neuer Bitcoin-Hype bevor? Die aktuelle Kursentwicklung und eine Entscheidung eines großen Online-Players lassen das zumindest vermuten. Bei LBBW ist man diesbezüglich skeptisch – auch was das Thema Kapitalanlage angeht. 

Um das heißeste Thema der Finanzbranche der vergangenen Jahre ist es zuletzt merklich ruhiger geworden: Nachdem der Bitcoin vor drei Jahren vor drei Jahren aufgrund seines rasanten Höhenfluges und des darauffolgenden jähen Absturzes große Aufmerksamkeit genoss, machte die Digitalwährung zuletzt deutlich weniger Schlagzeilen. Weitgehend unbemerkt von der großen Öffentlichkeit hat der Bitcoin aber zu einer erneuten Rally angesetzt und hat alleine in diesem Jahr einen Kurszuwachs von 122 % zu verzeichnen. Nach Ansicht des LBBW Research ist der jüngste Kursanstieg des Bitcoin ein Hinweis auf dessen spekulativen Charakter und er dürfte nicht als Beleg für nachhaltige Seriosität verstanden werden. Digitalisierungsexperte Guido Zimmermann verweist in diesem Zusammenhang auf die kräftigen Kursverluste zur Wochenmitte. So hatte die Kryptowährung am Mittwoch mit 19.510 Dollar ein Drei-Jahres-Hoch erreicht und war nur 2,5 % von ihrem Rekordhoch entfernt. Einen Tag später notierte der Kurs jedoch wieder bei „nur“ 17.850 Dollar.

Verschiedene Ursachen

Laut Guido Zimmermann profitiert der Bitcoinkurs von verstärkten Käufen risikofreudiger, institutioneller Investoren, die inzwischen bereitwillig auch größere Risiken eingehen würden, um angesichts des Niedrigzinsumfelds ihre Portfolien zu diversifizieren. „Der Bitcoinkurs steigt mal wieder für eine längere Zeit an. Aber es zeigt sich aktuell, dass das keine Garantie dafür ist, dass es nicht auch wieder kräftig abwärts gehen kann. Kleinanleger, die in Bitcoin investieren, spielen deshalb Roulette mit ihrem Geld“, so Zimmermann, der beobachtet hat, dass die Zahl professioneller Anwendungen von Kryptowährungen oder sogenannten digitalen Assets beinahe täglich steigt. So konnte der Bitcoin selbst davon profitieren, dass PayPal es ab nächstem Jahr seinen Kunden ermöglicht, Bitcoin zu handeln und zu halten. Zudem würde der Zahlungsdienst im Zugriff auf das neue Kundenangebot selbst starke Bitcoins kaufen. Auch in der Architektur der Kryptowährung liegende Gründe, wie der sogenannte Halbierungszyklus und auch deutlich schwerer nachvollziehende Gründe würden den Kurs treiben, erklärt Zimmermann unter Hinweis auf eine „Hyperbitcoinifizierung“ genannte Spekulation. Demnach sei Bitcoin eines Tages die einzig ‚wahre‘ Weltwährung, da die Zentralbanken dauerhaft Negativzinsen und Inflation produzierten. Als Gegenargumente führt Zimmermann die hohe Effizienz des internationalen Zahlungsverkehrs ebenso an wie die anonyme Dezentralisierung des Bitcoin-Netzwerks, weshalb Aufsichtsbehörden die Kryptowährung ablehnen würden. Weil die Zentralbaken mittelfristig selbst digitale Währungen emittieren wollten und diese dann den staatlichen Segen hätten, würde der Bitcoin laut Zimmermann zudem im Wettbewerb mit später entwickelten Kryptowährungen langfristig verlieren.

Keine wirkliche Anlageoption

Die Geschichte des Bitcoin und damit der Kryptowährungen begann Anfang 2009. Inzwischen gibt es neben einigen Bitcoin-Ablegern auch zahlreiche konkurrierende Währungen. Von diesen haben Etherum und XRP (früher: Ripple) die nächstgrößeren Marktanteile. Obwohl der Bitcoin deutlicher Platzhirsch ist, eignet er sich laut Guido Zimmermann aber eher für kurzfristige Zahlungsgeschäfte als für eine Kapitalanlage. „Die wenigen wissenschaftlichen Studien zu den Hedging- und Safe-Haven-Eigenschaften von Bitcoin kommen zu uneinheitlichen Ergebnissen“, warnt der Experte, der deshalb nicht überrascht ist, dass der Bitcoinkurs im Corona-Lockdown plötzlich einbrach und sich damit wie traditionelle Assets verhielt. (ahu)