Das Büro hat eine Zukunft

Matthias Weber, Head of Sales Open Investment Funds, KGAL / Foto: © KGAL

Zahlreiche Büroflächen in Deutschland sind wieder verwaist. Erneut arbeitet ein Großteil der Beschäftigten pandemiebedingt aus dem Homeoffice. Viele fühlen sich damit wohl – und Immobilieninvestoren fragen sich besorgt, ob das nach der Pandemie so bleibt und Büroflächen weniger stark nachgefragt werden. Das ist nicht auszuschließen. Doch das Aus für das Büro bedeutet diese Entwicklung deshalb noch lange nicht. Mehr denn je kommt es auf Objekt- und Lagequalität an. Das sollten Fondsanleger künftig stärker beachten.

Kein Arbeitsweg, die Gemütlichkeit der eigenen vier Wände und in der Mittagspause schnell zum Supermarkt: Die Arbeit vom heimischen Schreib- oder Küchentisch aus bringt durchaus Vorteile mit sich, an die sich viele Bürobeschäftigte inzwischen gewöhnt haben und die auch von ihren Chefs längst nicht mehr so argwöhnisch betrachtet werden wie früher. Es wäre deshalb alles andere als eine Überraschung, wenn das Thema Home- beziehungsweise Flexible-Office auch nach der Pandemie einen höheren Stellenwert erfährt als zuvor. Anfang Oktober hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sogar einen Gesetzesentwurf zum mobilen Arbeiten vorgestellt, der erstmal nicht weiterverfolgt wird. Zahlreiche Fragen – etwa zur Vereinbarkeit mit der Arbeitsstättenverordnung – wären noch zu klären.

Wenn jedoch in Zukunft weniger im Büro gearbeitet werden sollte, werden sich manche Arbeitgeber fragen, weshalb sie hohe Mieten für überwiegend leer stehende Flächen bezahlen sollten. Ein struktureller Nachfragerückgang wäre die Folge, der auch Immobilienfondsanleger sorgen müsste. Werden große und oft teure Büroflächen in Zukunft überhaupt noch benötigt? Und können sich Investments in Immobilienfonds mit hohem Büroanteil überhaupt noch lohnen?

New Work – das Büro der Zukunft

Die Antwort lautet definitiv: Ja! Denn Büroflächen werden weiterhin gebraucht, gemietet und genutzt. Denn das Homeoffice hat auch viele Nachteile. Vor allem das Thema Überlastung spielt eine wichtige Rolle, denn die fehlende räumliche Distanz ermöglicht keine klare Trennung zwischen Arbeit, Pause und Freizeit. Zudem verfügen viele Arbeitnehmer weder über ein separates Arbeitszimmer noch über einen passend ausgestatteten Arbeitsplatz. In größeren Haushalten mit kleinen Kindern kann das Homeoffice schnell zur Belastung werden. Schon nach dem Frühjahr haben sich viele Beschäftigte nach der Ruhe eines separaten Büros gesehnt – und gewiss auch nach dem persönlichen Austausch mit den Kollegen. Räumliche Distanz erschwert oft die Kommunikation unter Arbeitnehmern. Für jede Abstimmung muss zum Hörer gegriffen oder ein Meeting vereinbart werden, anstatt kurz am Schreibtisch nebenan nachzufragen. Brainstorming, Feedbackgespräche, Teammeetings: All das gestaltet sich in einem gemeinsamen Büro produktiver und persönlicher. Im Homeoffice wiederum wird der zwischenmenschliche Kontakt auf ein Minimum reduziert und der kollegiale Zusammenhalt schwindet. Gute Gründe für Unternehmen, auch weiterhin Büroflächen zu mieten.

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