Das bedeutet Cloud Computing für die Vermittler

Christian Nölke, Managing Consulting adesso AG / Foto: © adesso AG

Cloud Computing ist neben Künstlicher Intelligenz, Internet of Things oder Blockchain einer der großen Trends der letzten Jahre. Bislang waren Banken und Versicherungen hierbei zurückhaltend und konnten die Vorteile für Vermittler, Kunden und das eigene Unternehmen nicht nutzen. Dies lag häufig an rechtlichen Rahmenbedingungen. Doch es zeigt sich Besserung.

Erwartung

Vermittler und Kunden stellen hohe Erwartungen an die IT von Banken und Versicherungen: Der Zugang soll rund um die Uhr schnell und von jedem Ort aus möglich sein. Die Zugangswege wie Website, App, Telefonie und Sprachassistenten müssen von jedem Endgerät aus gut funktionieren. Und schließlich sollen die Daten sicher und gut geschützt sein. Kurz, man erwartet die Erreichbarkeit, die man von Amazon und Google gewohnt ist, genauso von Banken und Versicherungen.

Herausforderungen

Gleichzeitig stehen Banken und Versicherungen vor einer Fülle von Herausforderungen, die schwierig mit diesen Erwartungen in Einklang zu bringen sind: Der Fachkräftemangel insbesondere in der IT macht Nachwuchsfindung und Mitarbeiterbindung schwierig. Parallel werden Technologien vielfältiger und komplexer, verlangen also größere Spezialisierung der Mitarbeiter. Einige Spezialisten wie zum Beispiel im Bereich IT-Security sind am Markt nur schwer erhältlich.

Zudem befinden sich viele kleine und mittelgroße Finanzdienstleister mit ihrer Hauptverwaltung am Ort der ursprünglichen Gründung. Diese Orte sind aus heutiger Sicht oft nicht optimal. Sie sind teilweise schlecht ans Internet angebunden und wenig attraktiv zur Nachwuchsgewinnung.

Die IT dieser Finanzdienstleister hat häufig eine überschaubare Größe. In einer Unternehmens-IT gibt es allerdings viele Komponenten, die unabhängig von der Größe der IT bereitstehen müssen und somit fixe Kosten verursachen. Durch diese Kosten verteuert sich eine kleine IT überproportional.

Große Teile der IT müssen doppelt bereitgestellt werden in getrennten Rechenzentren an verschiedenen, weit entfernten Standorten. Ziel ist auch im Falle eines Brandes, einer Überschwemmung oder eines Bombenfundes an einem Standort sehr zeitnah an einem anderen Standort den Betrieb wieder aufzunehmen. Bislang empfahl das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI) einen Abstand der Rechenzentren von fünf km, seit 2018 werden 200 km empfohlen[1]. Die BaFin als Aufsichtsbehörde folgt hierbei üblicherweise den Empfehlungen des BSI. Dies bedeutet für viele Finanzdienstleister, in ein neues Rechenzentrum investieren zu müssen.

Parallel steigen die regulatorischen Anforderungen an die IT von Finanzdienstleistern in den letzten Jahren kontinuierlich. Beispiele sind die DSGVO und die BAIT bzw. VAIT (Bankenaufsichtlichte beziehungsweise Versicherungsaufsichtliche Anforderungen an die IT der BaFin).

Vor diesem Hintergrund muss man sich bewusst machen, dass IT nicht zur eigentlichen Kernaufgabe einer Bank oder Versicherung gehört. Sie ist ein Hilfsmittel, um die eigentlichen Aufgaben erfüllen zu können.

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