Corona-Krise ist Bedrohung für den Euro

Georg Seil, Geschäftsführer Georg Seil Consulting / Foto: © Fotostudio Kutscha

Der nun erst seit zwei Wochen andauernde Shutdown wurde überwiegend befolgt. Was aber heißt denn überwiegend? Ist dies der Fall, wenn mehr als 50 % sich an die Gesetze und Verordnungen halten? Ist es ok, wenn wir die Rechtsbrecher milde beurteilen? Können wir uns dies wirklich leisten? Ich habe meine Zweifel, ob Liberalität hier weiterführt. Besonders kritisch sehe ich die mediale Begleitung der Corona-Pandemie. Tägliche Talkshows mit Politikern und Virologen lösen keine Probleme. Manchmal frage ich mich, ob deren Zeit nicht besser bei der Umsetzung der Maßnahmen oder auch in der Forschung besser angelegt wäre.

Interessant ist die Diskussion über die Frage, ob es sich um Talebs berühmten „Schwarzen Schwan“ handelt, was wir an den Märkten erleben. Also etwas Unvorhersehbares. Taleb selbst hat dies verneint, weil eine Pandemie schon lange als ein wahrscheinliches Ereignis gilt. Als ich während eines Fluges im September 2019 einen Artikel in der „Bild-Zeitung“ las, dessen Verfasser vor einer nahe anstehenden Pandemie warnte, dachte ich „Bild-Zeitung“. Schon vor Jahren wurden Pandemie-Pläne erstellt, dann in die Schublade gelegt und die Vorschläge nicht realisiert. Es ist für mich der Skandal schlecht hin, dass ein hochentwickeltes Land wie Deutschland es seit vier Wochen nicht realisieren kann, Schutzausrüstungen selbst in ausreichendem Umfang zu produzieren. Die Politik diskutiert, beschließt, aber nichts tut sich wirklich. Ich hege die Hoffnung, dass wir ab dem 20.4.20 zu einer eingeschränkten Normalität zurückkehren müssen, bevor der wirtschaftliche Schaden nicht mehr zu heilen sein wird. Diese Hoffnung wird die Märkte erheblich beeinflussen.

Aber nun zu den Kapitalmärkten

Die Rentenmärkte haben sich in der vergangenen Woche beruhigt. Nach dem zuvor erstaunlicherweise erfolgten Zinsanstieg, kamen die Renditen wieder etwas zurück. Das mittlerweile über eine Billionen Euro große Rettungspaket der Bundesregierung führt zu einer dramatischen Verschuldung, die irgendwann und irgendwie reduziert werden muss. Die extreme Zinstiefphase begünstigt von dieser Seite aus die Aufnahme von Krediten, was das Ganze erleichtert. Dass die EZB nach dem Motto „what ever it takes“ Anleihen aufkaufen wird, hilft in Euroland natürlich weiter. Allerdings sollte man den Blick über den Tellerrand hinaus nicht vergessen. Die Forderung nach der Begebung von Euro-Corona-Bonds zeigt sehr wohl, dass eine Vergemeinschaftung der Schulden wohl nicht zu vermeiden sein wird, auch wenn Deutschland sich dagegen noch zu Recht wehrt. Die Corona-Pandemie hat dazu beigetragen, dass die Risse in der EU tiefer geworden sind. Überlebt der Euro, ist mittlerweile wieder eine berechtigte Frage. Zunächst jedoch können wir davon ausgehen, dass die Zinsen während des Andauerns der Krise tief bleiben.

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