China wird zu KIna

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Den Statuts als bevölkerungsreichstes Land der Erde wird China wohl bald an Indien abgeben müssen. In einem anderen Bereich möchte das „Reich der Mitte“ aber bald die weltweite Nr. 1 sein: Künstliche Intelligenz. Für Investoren ergeben sich damit interessante Möglichkeit.

Jacky Cheung ist in Europa wohl nur wenig bekannt, ist in Asien aber ein gefeierter Start und wird dort als „Gott der Lieder“ verehrt. Ein Besuch eines seiner Konzerte ist keine gute Idee, wenn man wegen krimineller Aktivitäten gesucht wird. So sind dort mittels einer Künstlichen Intelligenz zur Gesichtserkennung schon mehrere Mal flüchtige Verbrecher identifiziert und der Polizei gemeldet worden. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie weit verbreitet Künstliche Intelligenz in China ist. Ein anderes ist, dass auf dem Campus der Jiaotong-Universität in Shanghai autonome Roboter von Cainaio auf der sogenannten „letzten Meile“ Bestellungen bei festgelegten Adressen abliefern. Ebenfalls in Shanghai befindet sich das menschenleere Warenhaus von JD, in dem 1.000 Roboter auf 40.000 m² vollautomatisch bis zu 200.000 Pakete täglich sortieren.

In Zukunft wird es im „Reich der Mitte“ wohl noch viele weitere solcher Beispiele geben, schließlich will China bis zum Jahr 2030 im Bereich der Künstlichen Intelligenz an der Weltspitze stehen, wobei der Kern der Industrie einen Wert von über einer Billion Yuan haben soll.  „Derzeit haben die USA noch die Technologieführerschaft bei den Grundlagentechnologien der KI inne – etwa bei Machine Learning, Semantischer Analyse und Cognitive Computing. Doch China schließt auf. Das sollte auch Anleger interessieren, die in Zukunftstechnologien investieren wollen“, so Tobias Rommel, Fondsmanager des DWS Invest Artificial Intelligence, der im vergangenen Jahr fast zwei Monate durch China gereist ist und dort in Peking und der Greater Bay Area um Shenzen, dem chinesischen Silicon Valley, etwa 100 Unternehmen aus dem Bereich der KI besucht hat. Diese Unternehmen profitieren von dem Masterplan der Regierung im Bereich KI, der für übervolle Geldtöpfe staatlich kontrollierter Banken und Investmentfonds sorgt. Zudem gibt es in China Millionen von Studenten, die entweder im eigenen Land oder im Ausland umfangreiches Wissen über KI erworben haben. Das Ziel Chinas, im Bereich KI die weltweitführende Nation zu werden, wird auch von einer besonderen Geisteshaltung der Bevölkerung unterstützt. „Im Vergleich zu westlichen Nationen sind Chinesen neuen Technologien gegenüber offener und probierfreudiger. Für sie rücken Datenschutz und Privatsphäre schneller in den Hintergrund, wenn sie das Gefühl haben, dass eine Anwendung ihr Leben bequemer oder sicherer macht. Dadurch können Forscher und Unternehmen auf enorme Datenbestände aus dem ‚wahren Leben’ zugreifen – und die sind nunmal das Herz von guter KI-Entwicklung“, erklärt Rommel.

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