Büroimmobilien werden zu „Human Centered Offices“

Jasmin Samiri, Geschäftsführerin der Unique Invest GmbH & Co.KG / Foto: © Unique Invest GmbH & Co.KG

Büros werden benötigt, auch wenn sie seit Corona vermehrt hybride Arbeitsmodelle integrieren müssen (finanzwelt berichtete). Jasmin Samiri, Geschäftsführerin der Unique Invest GmbH & Co. KG, zeigt nun, wie Büroimmobilien heute bedarfsgerecht und wirtschaftlich realisiert werden können und erläutert, worum es beim sogenannten „Human Centered Office“ geht.

finanzwelt: Frau Samiri, wie steht es um die Büroimmobilie nach und unter Corona?
Jasmin Samiri: „Folgt man der aktuellen 5-%-Studie von bulwiengesa, ist das Interesse von Investoren an Büroimmobilien weiterhin hoch, trotz geringerer Renditeerwartung. Potenziale liegen aus unserer Sicht vorrangig im Neubau, da hier von vornherein bedarfsgerecht geplant werden kann. Corona hat gezeigt, dass offene und digitalisierte Bürostrukturen sich auszahlen, da man sich schneller an veränderte Markt- und Betriebsbedingungen anpassen kann. Der Trend zu einer Verdichtung der Flächen, wie wir es vor Corona gesehen haben, ist aus heutiger Sicht differenzierter zu betrachten. Gerade die größeren Flächenkapazitäten haben sich als vorteilhaft erwiesen, um Hygiene-Konzepte umzusetzen.“

finanzwelt: Viele Firmen wollen den Flächenbedarf inzwischen gar nicht mehr reduzieren. Im Gegenteil, sie möchten ihre Mitarbeiter wieder in den Büros haben.
Samiri: „Ja, aber auch vielen Mitarbeitern fehlten die sozialen Kontakte und die konzentrierte Arbeitsatmosphäre im Unternehmen. Laut einer Studie von Softgarden möchten überhaupt nur 8 % ausschließlich zu Hause arbeiten. Gleichzeitig wünschen sich laut aktueller PwC-Studie 78 % mehr Homeoffice. Es geht also letztlich um mehr Flexibilität. Für die Unternehmen bedeutet dies, ihre Prozesse so anzupassen, dass sie die Produktivität ihrer Belegschaft optimieren. Das heißt ‚unternehmensverträgliches‘ Homeoffice zu ermöglichen und eine kosteneffiziente Flächennutzung sicherzustellen. Angesichts steigender Energiepreise ist das umso wichtiger.“

finanzwelt: Welche Art von Büroimmobilien braucht es?
Samiri: „Weiterhin ist eine zentrale Lage der Immobilie wichtig, aber nicht nur die klassischen Core-Lagen in den Innenstädten. Businessparks und verkehrstechnisch bestens angebundene Standorte werden besonders attraktiv, da hier noch vergleichsweise günstige Mieten um 15 Euro/m² realisierbar sind. Das trägt zur Kostenoptimierung in den Unternehmen bei. Auch wird es nicht ausreichen, flexible Büroflächen zu schaffen. Die Räume müssen darüber hinaus stärker auf die Bedürfnisse der in ihnen arbeitenden Menschen zugeschnitten sein. Es braucht mehr Homeoffice-Qualitäten im Office, also variable und offene Arbeitsräume, Treffpunkte auf der Etage, im Entree und auf dem Campus, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten…“

finanzwelt: Wird das schon umgesetzt?
Samiri: „Wenn man mit Marktbeobachtern spricht oder aktuelle Projekte anschaut, stellt man fest, dass die Themen ‚Wohlbefinden und Gesundheit‘, ‚Teamarbeit‘, ‚Mitarbeiterbindung‘ und ‚Umwelt‘ eine große Rolle bei der Planung neuer Büroimmobilien spielen. Die Frage ist, was steht eigentlich dahinter? Einen treffenden Begriff, der sich durchgesetzt hat, gibt es noch nicht. JLL spricht etwa von ‚regenerativem Workplace‘. Das passt gut, aber greift vielleicht etwas kurz. Wir bevorzugen den Begriff ‚Human Centered Office‘.“

Was „Human Centered“ eigentlich bedeutet, welche Vorteile es bringt und wie man diese Art der Offices umsetzen kann, lesen Sie auf Seite 2.