Bitcoin – Erleichterungsrally im Sommer?

Florian Grummes, Managing Director Midas Touch Consulting / Foto: © Midas Touch Consulting

Edelmetall- und Krypto-Experte Florian Grummes, Managing Director von Midas Touch Consulting, gibt seine aktuelle Einschätzung zum Krypto-Markt.

Rückblick

Mit dem klaren Bruch der Unterstützung um 37.500 USD verschärfte sich der Abverkauf im Crypto-Sektor ab Anfang Mai dramatisch und die Bitcoin-Notierungen stürzten innerhalb von nur einer Woche bis auf 25.400 USD in die Tiefe. Trotz der bereits zu diesem Zeitpunkt stark überverkauften Lage gelang im Anschluss jedoch nur eine zaghafte Erholung bzw. Gegenbewegung, welche bereits bei 32.375 USD ihr Ende fand.

Ab dem 6. Juni gingen die Bären wieder direkt in den Angriffsmodus über und drückten die Bitcoin-Kurse innerhalb von nur 12 Tagen bis auf 17.600 USD und damit auf den tiefsten Stand seit dem Dezember 2020. Im Anschluss an diesen Crash kommen die Preise erneut nur sehr langsam und zaghaft auf die Beine. Bislang gelang lediglich eine Erholung bis auf 22.400 USD. Unterm Strich hat der Bitcoin von seinem Allzeithoch um 69.000 USD am 10.November 2021 in der Spitze zwischenzeitlich fast 75 % verloren.

Ethereum (-81,9 %) und die größeren Altcoins wie Solana (-90 %), Polygon (-89,2 %), Chainlink (-89,6 %), Cardano (-87 %) wurden noch deutlich heftiger abgestraft. Die kleineren Altcoins haben fast alle durch die Bank 90 – 99 % verloren.

Insgesamt ist der Krypto-Sektor nach der brutalen Pleite-Welle (Lunar, Celsius, Three Arrows Capital, Voyager Digital, BlockFi, Babel Finance etc.) schwer angeschlagen. Die chaotischen Turbulenzen haben innerhalb weniger Monate mehr als 2 Billionen USD Marktkapitalisierung vernichtet und tausende von Arbeitsplätzen gekostet. Ein Ende der Bereinigung ist auf Grund der undurchsichtigen Verflechtungen innerhalb der Branche und der Vielzahl an betrügerischen Spekulanten bzw. unerfahrenen Spielern noch nicht absehbar.

Wenn die Preise von Vermögenswerten einbrechen oder eine Gegenpartei einen massiven Kredit nicht mehr bedienen kann, klaffen in den Bilanzen der Kreditgeber riesige Löcher. Die Rest-Verwertung von Sicherheiten führt dann dazu, dass noch mehr Kredite fällig werden, was zu einer weiteren Verwertung von Sicherheiten führt. Zahlreiche Handelsplätze haben in den letzten Wochen daher die Abhebungen der Nutzer begrenzt oder gesperrt, wodurch die Liquidität weiter ausgetrocknet ist. Kleinanleger, die diesen Kreditgebern vertraut hatten, um ihr Vermögen zu schützen bzw. um insbesondere hohe Rendite zu erzielen, haben teilweise alles verloren. Hinzu kommt die Angst vor einer globalen Rezession begleitet von der schlimmsten Inflation seit mehr als 40 Jahren. Trotz der gewaltigen Verluste könnte das Ende des Sturms daher noch nicht gesehen worden sein.

Chartanalyse Bitcoin in US-Dollar

Wochenchart: Erholungschancen überwiegen

Bitcoin in USD, Wochenchart vom 13. Juli 2022. Quelle: Tradingview

Seit etwas mehr als acht Monate befindet sich der Bitcoin in einer harten Korrektur. Neben einer etwas ausgedehnteren Erholung im Februar und März hatten die Bullen kaum etwas an Gegenwehr zu bieten. Auch die 10-jährige Aufwärtstrendlinie (dunkelgrün) war letztlich ein leichtes Spiel für die Bären. Nun klammern sich die Notierungen an die mittlere Trendlinie des übergeordneten Aufwärtstrendkanals. Diese bildet zusammen mit dem völlig überverkauften Stochastik Oszillator also auch der Zone um das vorherigen Allzeithochs um 20.000 USD eine gewisse Unterstützung, die momentan zu halten scheint.

Insgesamt ist der Wochenchart zwar zunächst noch bärisch, die Chancen auf eine Erholung überwiegen aber das düstere Bild. Wie wir aus der Vergangenheit wissen, können Bärenmarkt-Rallys beim Bitcoin extrem ausfallen. Realistische Erholungsziele liegen bei ca. 25.400 USD sowie 29.750 USD.

Tageschart: Bollinger Bänder ziehen sich zusammmen

Bitcoin in USD, Tageschart vom 13. Juli 2022. Quelle: Tradingview

Auf dem Tageschart entwickelt sich seit dem Tief am 18. Juni erneut eine Konsolidierung, die sich ähnlich wie zuvor als eine Flaggenformation entpuppen könnte. Das Tief bei 17.592 USD wurden in den letzten dreieinhalb Wochen jedenfalls nicht mehr unterschritten. Noch hat die Stochastik ein aktives Verkaufssignal, die überverkaufte Zone hat der Oszillator aber bereits fast erreicht.

Gelingt gleichzeitig die Stabilisierung um 20.000 USD, wäre im Anschluss eine Erholung in Richtung des oberen Bollinger Bandes (22.021 USD) sowie bis in die Nähe des Mai-Tiefpunktes bei 25.401 USD realistisch.

Zusammengefasst ist der Tageschart derzeit noch bärisch. Gleichzeitig sind zwischen 19.000 USD und 21.500 USD erste Stabilisierungstendenzen erkennbar. Zusammen mit dem relativ großen Abstand bis zur schnell fallenden 200-Tagelinie (36.122 USD) spricht doch einiges für eine Erleichterungsrally im Sommer.

Sentiment Bitcoin

Crypto Fear & Greed Index vom 12. Juli 2022. Quelle: Lookintobitcoin

Der Crypto Fear & Greed Index notiert seit Anfang April, und damit mittlerweile seit über drei Monaten, im tiefdunkelroten Panik-Bereich. Die Angst im Krypto-Sektor sitzt also sehr tief.

Crypto Fear & Greed Index vom 12. Juli 2022. Quelle: Lookintobitcoin

Im großen Bild ähnelt die aktuelle dunkelrote Lage beim Crypto Fear & Greed Index dem Setup vom Januar 2019. Auch damals hatte der Kryptowinter brutal zugeschlagen und es dauert fast drei Monate bis der Bitcoin eine massive Erholungsrally auf den Weg bringen konnte. Neue Tiefs wurde in der Bodenbildungsphase damals nicht mehr gesehen.

Insgesamt liefert die ausgebombte Stimmung das beste antizyklische Kaufsignal seit über zwei Jahren.

Wie die Saisonalität des Bitcoins sich entwickelt hat und welches Fazit der KRypto-Experte zieht, lesen Sie auf Seite 2.