Bitcoin & Co. stoßen weiterhin auf Skepsis

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Es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis sich Kryptowährungen auf dem Markt etablieren werden. Viele Verbraucher wissen noch wenig über diese und selbst Wissen schützt vor Skepsis nicht. Möglicherweise gibt es auch noch keinen Grund, sich vom traditionellen Geldsystem zu verabschieden. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der ING hervor.

Satoshi Nakamoto hat im Oktober 2018 eine kleine Revolution im Finanzsektor gestartet – und bis heute ist völlig unbekannt, wer sich hinter diesem Namen wirklich verbirgt. Auch seine Erfindung war viele Jahre lang nur Insidern bekannt, bis sie im Jahr 2017 einen rasanten Aufschwung erlebt und zum heißesten Thema der Finanzmärkte wurde: Die Rede ist vom Bitcoin. Neben dieser gibt es noch eine große Zahl weiterer Kryptowährungen im Markt und nicht wenigen gelten diese als die Zukunft von Zahlungsverkehr und Geldanlage. Doch bis sich diese wirklich am Markt etablieren, müssen sie noch einige Bedenken der Verbraucher aus dem Weg räumen, wie eine Umfrage der ING in 13 europäischen Ländern sowie Australien und den USA zeigt. So gibt es in ganz Europa eine grundsätzlich skeptische Haltung gegenüber Kryptowährungen – mit einer Ausnahme: In der Türkei stimmten über 50 % der Befragten Aussagen zu Zahlungsverkehr, Wertaufbewahrung und zur erwarteten Wertentwicklung zu. Dies könnte mit der speziellen Situation in der Türkei begründet sein, wo die heimische Landeswährung seit Jahren unter starker Inflation leidet, was für einen Vertrauensschwund in das klassische Geldsystem führt.

Wer soll involviert werden?

Mit der Einführung des Bitcoin sollte ursprünglich eine Alternative zum herkömmlichen Geldsystem geschaffen werden, denn durch kryptografische Geldschöpfung und die dezentrale Organisation der Zahlungsabwicklung sollte ein neues Geldsystem geschaffen werden, das unabhängig vom Vertrauen in die Banken ist. Dieser Hintergrund ist den Verbrauchern aber offenbar nicht bewusst, denn sie sehen es mehrheitlich nicht als Aufgabe von Banken an, Zahlungsverkehrskonten in Kryptowährungen anzubieten. Vor allem in Deutschland und Österreich besteht diesbezüglich große Skepsis. Allerdings werden auch Anbieter aus dem Technologiesektor, die dem Themenbereich der Kryptowährung tendenziell näher stehen dürften als traditionelle Banken, offenbar nicht als vertrauenswürdige Partner für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs angesehen. So hat Facebook nach den Plänen für „Libra“ bereits einigen Gegenwind aus der Politik erfahren und auch zwei Drittel der europäischen Verbraucher können sich nicht vorstellen, bspw. Freunden oder Verwandten Geld über Socia Media zukommen zu lassen. In Deutschland stimmten 75 % der Befragten dieser Meinung zu, in Österreich sogar 80 %.

Interessante Zusammenhänge zwischen Wissen und Offenheit

Ein wenig überraschendes Ergebnis der Umfrage ist, dass in ganz Europa jüngere Befragte dem Thema Digitalwährung aufgeschlossener gegenüber stehen als ältere. Vor allem in Deutschland sind vor allem die Befragten zwischen 18 und 24 Jahren offen für Kryptowährungen, während bei den anderen Altersgruppen deutlich weniger Differenzen bestehen. Dass die jüngeren Befragten dem Thema Kryptowährungen offener gegenüberstehen hängt aber nicht damit zusammen, dass diese sich besser mit dem Thema auskennen: Beim Wissen gibt es deutlich weniger Differenzen zwischen den Generationen als bei den Einstellungen. Ohnehin ist das Wissen über Kryptowährungen noch deutlich ausbaufähig: So konnte nur ein Viertel der Befragten mindestens fünf Fragen zu dem Thema richtig beantworten. Interessant: Während Befragte mit eher moderatem Wissen Kryptowährungen relativ offen dem Thema gegenüber stehen, tendierten diejenigen mit umfangreichem Wissen zu einer skeptischeren Herangehensweise. (ahu)