Bewährte Wertspeicher seit Goethes Zeiten

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Bereits die „August-Krise“ dieses Jahres, die von China ausgehend um die Welt ging, verunsichert viele Anleger.

Auf einmal fällt auf, wie viel Milliarden aus dem Nichts erzeugtes Zentralbank-Geld um die Erdkugel schwappt und wie viel echte Werte diesem gegenüberstehen. Alles schon einmal da gewesen: Johann Wolfgang von Goethe hat in „Faust 2“ die Geldschöpfung aus dem Nichts und die Rolle der Sachwerte beschrieben.

Goethe war nicht nur Dichter: Als für den Bereich Wirtschaft zuständiger Minister am Weimarer Hof erlebte er die industrielle Revolution mit und verarbeitete seine Erfahrungen im Drama „Faust 2“. Dort unterbreiten Faust und Mephistopheles dem Kaiser, der sich in Finanznöten befindet, ein verführerisches Angebot: die Erfindung der Notenpresse.

„Ich habe satt das ewige Wie und Wenn. Es fehlt an Geld, nun gut, so schaff es denn“,
klagt der Kaiser.

Der Teufel Mephistopheles antwortet:
„Ich schaffe, was ihr wollt, und schaffe mehr“.

Besser kann man die aktuelle fiskalpolitische Situation der meisten Staaten kaum beschreiben. Mario Draghi, Janet Yellen und vor ihr Ben Bernake sind dahingehend die Nachfolger des Doktor Faustus, der seine Seele dem Mephistopheles verkaufte.

Die zu Goethes Zeit noch gängige Lehre der Alchemie, die aus unedlen Metallen edle Metalle, vorzugsweise Gold, schaffen wollte, überführt Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank, in die heutige Zeit: „Während die klassischen Alchemisten versuchten, aus Blei Gold zu machen, wird in der modernen Wirtschaft Papier zu Geld gemacht“, so Weidmann in seiner Rede anlässlich des 18. Kolloquiums des „Institut für bankhistorische Forschung“.

Goethe liefert aus seiner Erfahrung mit Inflation und den neu gedruckten Banknoten – im Drama die „Zettel“– die Lösung:

Der Narr fragt, indem er einen „Zettel“ betrachtet: Da seht nur her, ist das wohl Geldes wert?

Mephistopheles: Du hast dafür, was Schlund und Bauch begehrt.

Narr: Und kaufen kann ich Acker, Haus und Vieh?

Mephistopheles: Versteht sich! Biete nur, das fehlt dir nie.

Narr: Und Schloß, mit Wald und Jagd und Fischbach?

Mephistopheles spottet: Traun! Ich möchte dich gestrengen Herrn wohl schaun!

Narr: Heut abend wieg‘ ich mich im Grundbesitz!

Mephistopheles allein (anerkennend): Wer zweifelt noch an unsres Narren Witz!

Wobei mit „Witz“ in der heutigen Sprache „Klugheit“ gemeint ist. „Der Narr, der wie immer der einzig Kluge ist, hat die drohende Inflation und gleichzeitig den Ausweg daraus erkannt: die Flucht in die Sachwerte“, dazu der Ökonomie-Professor Hans Christoph Binswanger, Doktorvater des legendären Deutsche-Bank Vorstands Josef Ackermann.

In der Zeit von „Faust 2“ galt die Vier-Elemente-Lehre, die auf den Eigenschaften der vier Elemente Wasser, Feuer, Erde und Luft basierte, die, dieser Denkschule zufolge, alle Materie in unterschiedlicher Form besaß. Nur die richtige Mischung ergab das mythische „fünfte Element“:

Die Quintessenz, Ziel des alchemischen Werkes.

Was den richtigen Umgang mit Sachwert-Investitionen anbetrifft, lässt sich daraus ableiten: Nur die richtige Sachwert-Mischung im Anlage-Portfolio des Kunden entscheidet über die Quintessenz – dessen Anlageerfolg. (cs)

finanzwelt 05/2015