Anleger auf der Suche nach einem sicheren Hafen: Was tun gegen Volatilität und Stagflation?

Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer und Lead Portfolio Manager bei Eyb & Wallwitz / Foto: © Eyb & Wallwitz

Nehmen die Turbulenzen auf den Finanzmärkten zu, suchen Anleger nach einem sicheren Hafen. Doch wo Zuflucht finden, wenn neben hoher Volatilität auch eine Stagflation droht? Die Lösung: regimeabhängige „Anti-Fragile-Assets“, sagt Dr. Ernst Konrad, Geschäftsführer und Lead Portfolio Manager bei Eyb & Wallwitz.

Ob als Risikoabsicherung, Liquiditäts- oder langfristiger Wertspeicher – Safe Assets spielen im Portfolio von professionellen Anlegern eine wichtige Rolle. Um ihre Funktion als sicherer Hafen erfüllen zu können, müssen sie jedoch eine Reihe an Voraussetzungen mitbringen, wie zum Beispiel ein niedriges Ausfallrisiko, ein stabiles Auszahlungsprofil, eine hohe Liquidität und eine geringe Korrelation mit anderen Assets. Eigenschaften, die nur wenige Vermögenswerte besitzen, weshalb Anleger in den meisten Fällen zu Gold, Immobilien, Cash oder Staatsanleihen greifen, wobei letztere vornehmlich in Form von US-Treasury-Bonds oder Bundesanleihen gekauft werden.

Gefangen im „Safety Trap“

Doch in welchem Umfang sollten Anleger sich mit Gold, „Treasuries“ und „-Bunds“ gegen Marktturbulenzen schützen? Eine Frage, die sich nicht pauschal beantworten lässt, da jeder Marktteilnehmer eine andere Risikobereitschaft und Anlagestrategie hat. Unabhängig von den individuellen Unterschieden ist jedoch klar, dass das aktuelle Marktumfeld stets eine wichtige Rolle bei der Nachfrage nach Safe Assets spielt – allem voran der Markt für Staatsanleihen. Seit der Finanzkrise 2008 wird der allerdings von einer unkonventionellen Niedrigzinspolitik der Zentralbanken dominiert, die die nominalen Renditen zeitweise in den negativen Bereich gebracht hat. Das Problem: Trotz der hohen Liquidität blieben die von den Notenbanken erhofften Wachstumseffekte hinter den Erwartungen zurück.

Das Resultat: Säkulare Stagnation bei gleichzeitigem Verweilen der Renditen an der Null-Prozent-Schwelle. Für die Notenbanken eine gefährliche Situation, denn im Falle einer Krise und dem Ruf nach weiteren Wachstumsimpulsen, hätten sie ihr Pulver bereits gänzlich verschossen. Aus diesem Grund blieb ihnen während der Coronapandemie auch nichts anders übrig, als mit diversen Kaufprogrammen einzuspringen und die eigenen Bilanzen massiv zu verlängern. Viele Anleger schauten sich deshalb nach alternativen Safe Assets um. Neben Immobilien und Gold spielten dabei häufig auch dividendenstarke Technologiewerte eine wichtige Rolle. Selbst Krypto-Assets wurden von manchen Anlegern als digitales Gold ins Spiel gebracht, was sich rückblickend nur durch eine überschäumende Euphorie und Naivität erklären lässt.

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