Aktien – es mangelt derzeit an sinnvollen Alternativen

Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH / Foto: © CREDO Vermögensmanagement GmbH

Die Konjunktur weltweit trübt sich ein. An der Zinsfront ändert sich nichts, in den USA sah man zuletzt  sogar noch weitere Zinssenkungen. Kein leichtes Umfeld für Vermögensverwalter, die neben Kapitalerhalt auch dessen Mehrung als Ziel haben. Wolfgang Juds, Geschäftsführer CREDO Vermögensmanagement GmbH, zieht im finanzwelt-Talk ein vorläufiges Fazit des Kapitalmarktjahres 2019 und erläutert auch, welche Bedeutung nachhaltiges Investieren für ihn hat.

finanzwelt: Das ablaufende Jahr war wiederum geprägt von einer schwierigen Gemengelage und politischer Brisanz. Welches (Zwischen-)Fazit ziehen Sie für 2019?

Juds: Kurse klettern bekanntlich an einer Wand der Angst. Diese Angst der Anleger ist ja nicht unbegründet. Die Weltwirtschaft verliert zunehmend an Dynamik. Rezessionstendenzen zeichnen sich ab. Auf der politischen Seite gibt es allenfalls geringe Fortschritte zu verzeichnen. Der US-Handelsstreit mit China und der Brexit sind weiterhin ungelöst. Und dennoch sind wir sind wir für unsere Anleger im Rahmen der jeweiligen Anlagestrategien derzeit voll in Aktien investiert. Warum? Weil wir die Bewertung vieler Marktsegmente derzeit als günstig einstufen und die Zinsen als Anlagealternative nichts mehr abwerfen. Hinzu kommen die geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken, die stimulierend auf die Aktienmärkte wirken. Mein Fazit lautet: Diese bisherige positive Entwicklung dürfte sich vorerst fortsetzen, weil es an sinnvollen Alternativen für die Anleger fehlt.

finanzwelt: Eines der großen Themen dieses Jahres war „nachhaltiges Investieren“. Ist dieses Subjekt bei Beratern als auch bei Anlegern sozusagen gesetzt und gewinnt mehr an Bedeutung?

Juds: Sie haben völlig recht. Das Thema „Nachhaltigkeit“ scheint mir derzeit eines der großen Modethemen bei Anlegern und bei Beratern zu sein. Nur denke ich, dass wir es uns zu leicht damit machen, wenn wir glauben, mit dem Kauf eines Nachhaltigkeitsfonds das Klima retten zu können. Die Veränderung beginnt im persönlichen Leben: wenn wir mit dem Rad zur Arbeit fahren statt mit dem Auto. Es beginnt mit weniger Konsum statt mehr. Der zweite Aspekt ist, dass wir genau hinsehen müssen, was in den Fonds für Titel enthalten sind. Nestlé, Coca-Cola und Facebook sind in den gängigen MSCI ESG-Indices vertreten. Ich finde, dass die Zusammensetzung durchaus kritisch gesehen werden muss. Das entbindet uns als Vermögensverwalter nicht von der Aufgabe, Beurteilungen vorzunehmen und zu entscheiden, in was wir investieren. Aber es ist mir zu einfach, in irgendwelche gängigen Nachhaltigkeitsfonds zu investieren.

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