70 Jahre Gleichberechtigung – auch finanziell?

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Seit 1949 ist im Grundgesetz die Gleichberechtigung von Mann und Frau festgeschrieben. Dennoch dürfen Frauen erst seit 1962 ein Bankkonto ohne die Zustimmung ihres Mannes eröffnen. Wie weit die finanzielle Gleichberechtigung von Mann und Frau heute fortgeschritten ist, hat das Zinsportal WeltSparen in einer Studie untersucht. Diese zeigt auch deutliche Probleme bei beiden Geschlechtern auf.

Deutschland wird seit fast 14 Jahren von einer Frau regiert und sogar das Bundesverteidigungsministerium ist seit mittlerweile 5 Jahren in weiblicher Hand. Das Bundesfinanzministerium bleibt aber weiterhin eine Männerdomäne. Auch weltweit ist die Anzahl der Finanzministerin bislang deutlich überschaubarer als die Anzahl von Ministerinnen in anderen Ressorts. Sind Finanzen also hauptsächlich Männersache? Nein, wenn es nach den Teilnehmern der Umfrage im Auftrag von WeltSparen geht. So gaben 83 % der ca. 2.000 Befragten an, dass für sie Finanzen keine Frage des Geschlechts sei. Lediglich 9 % glauben, dass Männer und Frauen bezüglich des Themas Geld unterschiedlich geeignet sind. 43 % von diesen glauben, dass Frauen ein gutes Händchen für Geld haben, 49 % sehen dies eher bei Männern.

Von wem soll man den Umgang mit Geld lernen?

Niemanden fällt Wissen vom Himmel. Unser ganzes Leben basiert auf dem Wissen, das wir von anderen Generationen überliefert bekommen haben. Gerade für ein so sensibles Thema wie Geld ist es eminent wichtig, sich am richtigen Verhalten von anderen orientieren zu können. Jedoch gaben 41 % der Studienteilnehmer an, überhaupt kein Vorbild für den Umgang mit Geld zu haben. Offensichtlich hängt das auch damit zusammen, dass die Rolle des finanziellen Vorbildes von vielen gemieden wird. Hierbei gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern: So gaben 52 % der weiblichen und 53 % der männlichen Befragten an, sich selbst nicht als Vorbild für den Umgang mit Finanzen zu sehen.

Auch wenn die Rolle des finanziellen Vorbildes nur ungern angenommen wird, zeigt sich, dass Kinder sich beim Umgang mit Geld vor allem am gleichgeschlechtlichen Elternteil orientieren. So gaben 17 % der Frauen an, in Bezug auf Finanzfragen ihre Mutter zum Vorbild zu nehmen, 15 % der Männer nannten ihren Vater als Bezugspunkt. Männer orientieren sich in Finanzfragen aber eher an Frauen als umgekehrt: So gaben 12 % der männlichen Studienteilnehmer an, ihre Partnerin zum Vorbild zu nehmen, 11 % ihre Mutter. Hingegen bezeichneten nur 12  % der Frauen ihren Vater als Vorbild, ihren Partner sogar nur 9 %.

Frauen tun sich schwer mit Finanzen

Langfristig können richtige Entscheidungen nur auf der Basis von Wissen getroffen werden. Und hier offenbart die Untersuchung nichts Gutes: So bezeichnen lediglich 36 % aller Befragten ihre Finanzwissen als ausgezeichnet bis gut. Hier zeigt sich auch ein deutlicher Unterschied zwischen den Geschlechtern: So bescheinigen sich 45 % der Männer, aber nur 28 % der Frauen ein mindestens gutes Finanzwissen. Zwei Drittel aller weiblichen Befragten bezeichnen ihr Finanzwissen als mittelmäßig bis schlecht. Wie gut ihre finanziellen Kenntnisse sind, können 6 % der weiblichen Befragten überhaupt nicht einschätzen. Das fehlende Finanzwissen könnte für Frauen dramatische Folgen haben (finanzwelt berichtete).

Frauen sind finanziell unabhängig

Doch was zählt für einen guten Umgang mit Geld – keine Schulden, Unbekümmertheit, für sich selbst sorgen können und einfach nicht jeden Cent zweimal umdrehen müssen? Nach der eigenen Lebenssituation befragt, gaben 59 % der Studienteilnehmerinnen an, dass sie sich finanziell unabhängig fühlen und für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen können. 17 % können dies zwar noch nicht, sind aber auf dem Weg dahin. Damit unterscheiden sich die Ergebnisse kaum von denen der befragten Männer. Von ihnen gaben 63 % an, finanziell unabhängig zu sein, und 18 Prozent befinden sich auf den Weg zur finanziellen Unabhängigkeit. Hier gleichen sich die Geschlechter an. (ahu)

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