Zukunft geht nur gemeinsam mit guten Partnern

Matthias Wiegel sieht seinen Herausforderungen extrem entspannt entgegen

Matthias Wiegel ist seit dem 1. Februar Vorstand des Bundesverbandes Finanzdienstleistungen AfW und verantwortet dort den Bereich Mitgliederbetreuung / strategische Partnerschaften. Er ist nach Meinung seines Vorstandskollegen Norman Wirth ein Urgestein der Branche. Jeder kennt ihn und er kennt jeden. Im finanzwelt Interview stellt sich Wiegel den Fragen um die Zukunft der Makler und der gesamten Branche.

finanzweltLieber Herr Wiegel, erst einmal herzlichen Glückwunsch zur neuen Position. Wenn man sich anschaut, welche Aufgaben die Branche und die Politik noch meistern muss, kann man wirklich von einer neuen Herausforderung sprechen, oder?
Matthias Wiegel: Ja. Es gibt viel zu tun. Packen wir es an.

finanzwelt: Die Interessenlagen in der Finanzdienstleistungsbranche sind durchaus nicht homogen. Jeder kocht sein eigenes Süppchen, jeder Verband kämpft seinen eigenen Kampf. Ist hier die Gefahr nicht sehr groß, sich zu verzetteln?
Wiegel: Nein. Der Bundesverband Finanzdienstleistung AfW vertritt insbesondere und pointiert die Interessen der unabhängigen Finanzdienstleister, also der Versicherungsmakler und der Finanzanlagenvermittler einschließlich der Immobiliendarlehensvermittler mit einer Zulassung nach § 34 i Gewerbeordnung. Der Schwerpunkt unserer Mitgliederstruktur liegt also weder bei der Ausschließlichkeit, wie beim BVK, noch bei den Groß- bzw. Industriemaklern, wie beim VDVM, noch bei den großen Strukturvertrieben, wie bei Votum. Jeder der überhaupt relevanten Verbände hat also eine ganz andere Zielgruppe mit unterschiedlichen Schwerpunkten und vertritt damit auch teilweise sehr eigene Interessen für seine Mitglieder. Vergleichbar ist das vielleicht mit der Parteienlandschaft in Deutschland. Es gibt eben nicht die eine Partei oder die Dachpartei. Aber, wie sehr eindrucksvoll bei den Diskussionen zum LVRG zu sehen war: Wenn es wirklich relevant wird und klar die Interessen aller Vermittler betroffen sind, können die Verbände auch mit einer Stimme sprechen. Es gab dort über eine gemeinsame Erklärung in Richtung Politik einen bemerkenswerten Schulterschluss aller relevanter Verbände.

finanzwelt: Das hört sich an als gebe es keinerlei Probleme?
Wiegel: Kritisch anzumerken ist insgesamt der unzureichende Organisationsgrad der Vermittler und ihrer Unterstützer. Wir haben nicht zu viele Verbände, sondern zu wenige Finanzdienstleister die überhaupt die Notwendigkeit dafür erkennen, dass ihre Interessen von einem starken Verband wahrgenommen werden müssen. So sind zum Beispiel weniger als 10 % aller Versicherungsvermittler in Deutschland überhaupt in einem Berufsverband. Das gilt gleichermaßen für die Ausschließlichkeit wie für die Makler. Mehr Eigeninitiative, Interesse und Engagement bei vielen erscheint dringend angebracht auch um gemeinsam mehr zu erreichen.

finanzweltWie kann eine Kräftebündelung denn in der Praxis aussehen?
Wiegel: Auch jetzt bei der Umsetzung der IDD in Deutschland gibt es Kontakte und Abstimmungen der maßgeblichen Verbände untereinander. Mehr wäre natürlich gut und der Bundesverband AfW ist der letzte, der sich einer konstruktiven und gern auch ergebnisoffenen Verbänderunde entziehen würde.

finanzweltWelche Themen werden denn noch auf die Makler und Vermittler zukommen?
Wiegel: Reden wir doch über die Themen, die derzeit schon akut sind: IDD, MiFID 2, Digitalisierung, Niedrigzinspolitik. Das reicht eigentlich und lässt leider wenig Spielraum für Spekulationen darüber, was noch auf unsere Mitglieder zukommt. Bei diesen Themen müssen wir erst einmal punkten und Ergebnisse dahingehend erzielen, dass unsere Mitglieder auch in einem, in fünf oder in 10 Jahren noch faktisch unabhängig tätig sein können. Auch und gerade im Interesse ihrer Kunden!

finanzwelt: Sind einige Vorschläge der IDD nicht praxisfern? Man denke nur an den schriftlichen Verzicht bei Onlineberatung.
Wiegel: Das ist noch das geringste Übel. Derzeit halten wir einige andere Punkte in dem vorgesehenen Gesetz zur IDD- Umsetzung nicht nur für praxisfern, sondern für verfassungswidrig, europarechtswidrig, nicht mit den Anforderungen der IDD vereinbar sowie wettbewerbsverzerrend zulasten der Versicherungsmakler und zugunsten der Versicherungsberater und der Ausschließlichkeitsvermittler. Stichworte seien hier nur: Doppelbetreuungspflicht, Provisionsgebot, Honorarabgabeverbot.

finanzwelt Da werden die FinTechs/InsureTechs noch mal ausgebremst, zum Schutz der Berater. Das erinnert an Subventionen nicht lebensfähiger Modelle. Ist der freie Wettbewerb wo jeder seine Nische und Spezialisierung hat nicht besser als künstlicher „Bestandsschutz“
Wiegel: Ja. Wir unterstützen den freien Wettbewerb. Welches Modell letztlich nicht lebensfähig ist, wird sich zeigen. Wir sind überzeugt, dass die persönliche, unabhängige und fachlich hoch qualifizierte Allfinanzberatung keinesfalls ein Auslaufmodell ist, sondern eher zukünftig verstärkt nachgefragt wird. Wer soll es denn sonst machen? Eine App? Der Ausschließlichkeitsvertreter? Ein Bankberater? Mit Sicherheit nicht!

finanzwelt Wie sehen Sie den Makler der Zukunft? Was muss er können? Wie muss er aufgestellt sein? Was sollte er tun, außer viel finanzwelt lesen?
Wiegel: Wichtig für den Makler ist es, die Automatisierung der eigenen Geschäftsprozesse zügig voranzutreiben und seine Kundenkommunikation weitgehend zu digitalisieren. Als Stichworte hierzu: Eigene App, Webseite, digitaler Kundenordner. Das Ziel sollte ein intelligentes Hybridmodell aus persönlicher Beratung einerseits sowie digitaler Kommunikation und Verwaltung andererseits sein. Dazu müssen selbstverständlich die bisherigen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand. Der Makler muss sich dem digitalen Wandel stellen. Dieser Wandel ist Realität, aber auch Mittel zum Zweck und am Ende sogar eine riesige Chance! Vielleicht noch ein wichtiger Hinweis zum Schluss. Zukunft geht nur gemeinsam mit guten Partnern wie Verbünden, Pools, Servicedienstleistern und natürlich dem AfW!

finanzwelt: Herr Wiegel, vielen Dank für dieses Interview!